Leserstimme zu
Die Schuld jenes Sommers

Verdrängen ist keine Lösung

Von: Catharina Luft genannt Pläsir
21.12.2019

Frances wird verfolgt von Trauer und der Frage, was mit ihrer besten Freundin Wyn vor vierundzwanzig Jahren geschehen ist. Im Jahr 1942 verschwindet auch der kleine Davy in der Nacht eines Bombenangriffs. Frances wird geplagt von Schuldgefühlen, denn sie hätte auf ihn aufpassen sollen in dieser Nacht. Als dann durch den Einschlag einer Bombe das Skelett ihrer verschwunden Freundin auftaucht, kommen Erinnerungen hoch. Während für die Polizei der Fall der verschwunden Wyn abgeschlossen ist, gibt es einige Ungereimtheiten. So stellt sich ziemlich schnell heraus, dass ein Unschuldiger für eine Tat büßen musste, die er nicht begangen hat. Frances muss sich an das erinnern, was passiert ist, damit der wahre Mörder gefasst werden kann. Die Geschichte von Frances und dem was geschehen ist, wird von Katherine Webb aus zwei verschiedenen Zeiten erzählt. So wird die Geschichte begonnen mit den Bombenangriffen im Jahr 1942, dem Jahr, in dem die Erinnerungen an das Verschwinden von Wyn wieder an die Oberfläche gelangen. Auf der zweiten Zeitebene ist es das Jahr 1918. Es ist das Jahr, in dem Wyn verschwunden ist. Frances versucht ihre verdrängten und tief in ihr verborgenen Erinnerungen an diese Zeit und ihr Wissen rund um die Geschehnisse zurückzuholen. Katherine Webb beschreibt die innere Zerrissenheit von Frances auf eindrucksvolle Weise. So will sie das Verschwinden ihrer besten Freundin endlich aufklären und hat gleichzeitig aber große Angst vor der Wahrheit. Die dunklen Schatten der Vergangenheit werden mit der fortlaufenden Handlung immer lebendiger. Die Geschichte rund um das tatsächliche Geschehen und um das Verschwinden bietet einige dramatische Elemente, die die Spannung im Laufe des Romans immer höher treiben. Auch dass sich langsam herauskristallisiert, wer der wirkliche Mörder Wyns ist, tut der Spannung keinen Abbruch. "Die Schuld jenes Sommer" zeichnet sich aus durch die hohe Intensität und Spannung, die im Laufe der Handlung immer weiter aufrecht erhalten werden. Es ist ein Roman, der seinen Leser in den Bann zieht, ihn am Geschehen teilhaben lässt und nicht mehr loslässt. Die Geschichte rund um das Verschwinden von Wyn und Davy ist so bewegend wie authentisch. Auch der Schreibstil der Autorin ist sehr ansprechend, sodass ich diesen Roman kaum aus der Hand legen konnte.