Leserstimme zu
Pechmaries Rache

Ein spannender, sehr unterhaltsamer Krimi

Von: Annette Traks
25.12.2019

Ira Wittekind (54) ist Reporterin bei der Bad Oeynhausener Tageszeitung „Tag 7“ und will einen Artikel über den Hellberger Hof schreiben. Dort wohnen die verwitwete Besitzerin Lilo Wolf, deren Tochter Marilena sowie Enkel Simon mit seiner schwangeren Lebensgefährtin und Enkelin Sissy mit Mann und drei kleinen Töchtern. Die Mitglieder der Familie sind zerstritten. Es regieren Missgunst, Hass und Intrigen – erst recht, seit Sissys dreijährige Tochter Angelina vor etlichen Jahren im nahen Bach ertrunken ist, weil Marilena angeblich nicht gut genug auf sie aufgepasst hat. Kurz nach dem ersten Besuch der Reporterin auf dem Hof stirbt die alte Lilo Wolf, und kurz nach der Beerdigung deren Tochter. Ira Wittekind ist geschockt, kann nicht glauben, dass auch Marilena tot sein soll: Im Interview sprach sie von vielen Plänen und wirkte gar nicht krank. Die Polizei geht bald von einem Suizid aus – hat die psychisch labile Frau vielleicht den Tod der Mutter nicht verkraftet? Eigentlich hat Ira genug um die Ohren, denn sie steckt mitten in den Vorbereitungen für ihre Hochzeit. Doch die Ereignisse auf dem Hellberger Hof lassen ihr keine Ruhe, und sie fängt an zu recherchieren. Dabei kommt sie einer Familiengeschichte auf die Spur, die der reinste Horror ist. Resümee: Die Lebensgeschichte der Bewohner des Hellberger Hofes ist ein wahrer Krimi. Reporterin Ira Wittekind schaut hinter die Kulissen und trägt peu à peu Schichten der ohnehin schon angekratzten Fassade ab. Die Infos, die sie durch ihre Recherche zutage fördert, erschrecken den Leser und machen ihn fassungslos darüber, zu wieviel Hass und Grausamkeit die eigenen Familienmitglieder untereinander fähig sind. Dieses Maß an Unmenschlichkeit geht weit über das physisch und psychisch Erträgliche hinaus. Dabei ist alles sehr glaubhaft geschrieben – eins folgt aus dem anderen – und zieht einen in den Bann. Man fragt sich ständig, was wohl als nächstes ans Tageslicht kommen mag. Vor allem kann man sich immer mehr vorstellen, dass die alte Lilo Wolf und kurz darauf deren Tochter Marilena keines natürlichen Todes gestorben sind. Die Frage, ob das stimmt und ob es sich dann um Mord oder Selbstmord handelt, bleibt aber bis zum Schluss offen. Die Autorin hat die Handlung als eine Eskalationsspirale angelegt, in die Ira Wittekind mit ihren engagierten Nachforschungen immer mehr hineingezogen wird. Erholung wird ihr – und auch dem Leser – gewährt, wenn sie mit ihrer zukünftigen Verwandtschaft auf dem eigenen Hof ist. Dort geht es sehr fürsorglich, unterhaltsam und humorvoll zu, vor allem, wenn die beiden Tanten ihres Zukünftigen ins Spiel kommen mit ihrem ostwestfälischen Sprachgebrauch und Wesen. Die Handlungsorte werden sehr anschaulich geschildert, und auch sämtliche Charaktere sind überzeugend gestaltet. Fazit: ein spannender und sehr unterhaltsamer Krimi!