Leserstimme zu
Das Funkeln einer Winternacht

Eine wundervolle Winteratmosphäre mit ausbaufähigen Charakteren und Ende

Von: Katsbookshelf
30.12.2019

Klappentext: Bo und ihr Freund Zac führen ein Leben, von dem andere nur träumen können: Als Social-Media-Stars reisen sie um die Welt und teilen ihre Abenteuer mit Millionen von Fans. Für Weihnachten haben sie sich ein spektakuläres Ziel ausgesucht: eine abgelegene Farm in den norwegischen Fjorden, die dem faszinierenden Bergführer Anders und seiner Großmutter Signy gehört. Doch umgeben von schneebedeckten Gipfeln und gefrorenen Wasserfällen spürt Bo ein wachsendes Unbehagen über die permanente Inszenierung ihres Lebens. Und Anders ist der Einzige, der ihr zuhört … . Rezension: Dieses Jahr wollte ich unbedingt ein passendes Buch zur Weihnachts- bzw. Winterzeit lesen und da fiel meine Wahl auf dieses hier. Schon das Cover zeigt eine wunderschöne Winterlandschaft und die Autorin nimmt uns in diesem Buch mit nach Norwegen. . Der Schreibstil von Karen Swan ist sehr atmosphärisch und so entdeckt man zusammen mit den Protagonisten die norwegischen Fjorde, Berge und Landschaft. Gleichzeitig ist ihr Schreibstil locker und leicht, sodass man die über 500 Seiten im nu lesen kann und sofort in der Geschichte ist. Desweiteren bekommt man eine historische Perspektive, indem es außerdem Kapitel aus Signys Kindheit in den 1930er Jahren bekommt. Diese haben einem eine noch tiefere Sicht in die lokale Kultur und einen Kontrast zur touristischen Sicht von Bo gegeben, doch leider liefen die beiden Sichten immer parallel voneinander und wurden am Ende auch nicht wirklich miteinander verbunden. Dies fand ich sehr schade und man hätte dies recht einfach lösen können, indem Bo z.B. diese Geschichte als Tagebuch gelesen hätte. So wirkten diese Einschübe manchmal eher störend. . Und nun einmal zu den Charakteren: Unsere Protagonistin Bo, aus deren Sicht auch die gegenwärtige Geschichte erzählt wird, ist eine Reisebloggerin und zusammen mit ihrem Freund Zac ein richtiger Social Media Star. Ihr Label Wanderlusters handelt dabei vom nachhaltigen Reisen fernab der eigentlichen Touristenmetropolen und mit einem Fokus auf naturnahe Umgebungen. So begeben sie sich am Anfang des Buches mit ihrem Fotografen Lenny auf den Weg nach Norwegen, wo sie einen ganzen Monat leben werden und das einer abgeschieden Hütte auf einem Fjord, wo es nicht mal fließendes Wasser gibt. Diese Reiseeinstellung hat mir wirklich gefallen und in heutigen Zeiten ist es auch sehr wichtig solch eine Sicht zu haben und damit auch hoch aktuell. Gleichzeitig stellt dieses Buch auch die Schattenseiten von Social Media dar und so wird Bo auf Schritt und Tritt von ihrem Fotografen Lenny begleitet, damit dieser auch alles festhalten kann. So geht jegliche Privatsphäre verloren und Bo wird dazu regelrecht von ihrem Freund und Lenny dazu gedrängt alles zu teilen. Eigentlich möchte sie dies nicht und fühlt sich dabei unwohl, doch sie sagt eigentlich nie etwas dagegen. Ein weiteres Thema ist auch Stalking und Bedrängung, welches von Zac und Lenny nicht ernst genommen wird. Außerdem hat sie sich auf diese Reisen geben, um ihrem Trauma und ihrer Trauer zu entfliehen, und dies wird leider nur kurz angesprochen und nicht richtig thematisiert, was ich sehr schade finde. . Zac, der eigentlich die bessere Hälfte von Bo sein sollte, verhält sich leider ganz und gar nicht so. Er ist ein richtiger Adrenalinjunkie und macht ohne Rücksicht auf Verluste alles, um das perfekte Bild z.B. beim Klettern zu bekommen. Dabei beachtet er Bo gar nicht und handelt vollkommen egomanisch. Wie man vielleicht sehen kann, konnte ich ihn im ganzen Buch nicht leiden und generell gab es auch fast keine romantischen Szenen geschweige denn eine Chemie zwischen Zac und Bo. Auf Social Media stellen sie das perfekte Paar dar, doch in Wirklichkeit ist dies ganz und gar nicht so, und ich konnte leider nicht wirklich verstehen, wie sie so lange zusammenbleiben konnten. Ihr Fotograf Lenny war auch einfach nur vollkommen rücksichtlos und am Ende erweist er sich als eine noch schlimmere Person als Zac. . Anders, der Vermieter der Unterkunft und später auch Reiseguide, stellt den einzigen vernünftigen männlichen Protagonisten dar. Er sieht sofort, dass Bo nicht glücklich ist, und spricht sie immer wieder darauf an und hört ihr zu. Außerdem hat er eine Vergangenheit, die als einzige richtig im Buch ausgeführt wird. Ihm geht es nicht um Profit und er besitzt noch nicht mal ein aktuelles Social Media Profil, sodass er vieles der Reisenden und ihrer Inszenierung von Fotos nicht verstehen kann. Außerdem kümmert er sich rührend um seine Großmutter Signy. . Über das Ende möchte ich auch kurz sprechen, denn dieses kam so plötzlich, dass es der Geschichte nicht wirklich gerecht wurde. Es erfolgte vollkommen abrupt und manche Charaktere haben ein Verhalten an den Tag gelegt bzw. Entscheidungen getroffen, die nicht zu ihrem vorherigen Verhalten gepasst hat und dies dann sehr unrealistisch wirkte. . Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass dieses Buch als Weihnachtsgeschichte dargestellt wird, doch es für mich eher eine Wintergeschichte ist, welche auch eine weihnachtliche Szene enthält, und im ganzen Buch aber eher das Reisen im Vordergrund steht. . Fazit: Eine Wintergeschichte mit einer wundervollen Atmosphäre und für alle Reisefans bestens geeignet. Außerdem mit einem Aktualitätsbezug bezüglich Social Media und Nachhaltigkeit. Doch leider können sowohl die Charaktere, als auch das Ende nicht so recht von sich überzeugen. Dafür gibt es insgesamt 3 Sterne. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt. Meine Meinung und der Inhalt dieser Rezension werden davon nicht beeinflusst.