Leserstimme zu
Auf dem Weg

Wunderbare, lehrreiche Reise in den tibetischen Buddhismus.

Von: Koreander.net
17.01.2020

Yongey Mingyur Rinpoche ist ein Meditationslehrer und Meister des tibetischen Buddhismus. In eine traditionsreiche Familie geboren, begann seine Ausbildung bereits als Kind. Mingyur Rinpoche verbindet seine Studien der tibetischen Meditation und Philosophie mit den Erkenntnissen der modernen westlichen Wissenschaft. Neben Psychologie sind es vor allem die Neurowissenschaften, die seine Ausführungen über persönliche Erfahrungen bereichern. Im Juni 2011 verließ Mingyur Rinpoche sein Kloster in Bodhgaya mitten in der Nacht, um einen Wanderretreat zu beginnen. Er nahm nichts mit, hinterließ einen Abschiedsbrief und begab sich auf den Weg. Das Buch schildert den Beginn seines Wanderyogi-daseins und nimmt die Leser*innen mit auf die „Reise zum wahren Sinn des Lebens“. Man muss schon gewisse Vorkenntnisse im Buddhismus haben sonst dürfte es schwer fallen Mingyur Rinpoche immer zu folgen. Zumal es sich hierbei um den tibetischen Buddhismus handelt, der nochmal einige Besonderheiten aufweist, die gerade gegen Ende des Buches relevant werden. Auf unbedarfte Leser*innen könnte das eher abschreckend wirken, denn lehrreich. Der Weg in die Leere Dabei ist Mingyur Rinpoches Buch eine wunderbare Bereicherung. Es ist kein Buch über den Buddhismus, es ist ein Buch vom Buddhismus. Vom gelebten Buddhismus, mit all seinen Hürden, Anstrengungen und Früchten. Mit seinen Verwirrungen, Verständnisschwierigkeiten und Ent-täuschungen. Dies alles einmal aus der persönlichen Perspektive eines Menschen zu erfahren, dessen ganzes Leben auf buddhistische Schulung ausgerichtet ist, ist äußerst interessant und spannend zu lesen. Ausführungen zum Selbst und zum Ego, mit Sicherheit eine der größten Verständnisschwierigkeiten für im Westen sozialisierte Menschen, bekommen bei Mingyur Rinpoche Bedeutung – endlich kann man begreifen, was das Nicht-Ich ist. Das haben natürlich auch schon einige andere hervorragend beschrieben, aber da es sich um ein äußerst komplexes und schwer begreifbares Phänomen handelt, ist es sehr gewinnbringend, öfter davon zu lesen, von unterschiedlichen Autor*innen. Wer bin Ich? Was ist Ich? Diese Fragen sind der rote Faden durch Mingyur Rinpoches autobiografische Erzählung. Was bedeutet Kontemplation? Was ist Anhaften? Warum urteilen wir ständig? Was ist Leerheit? Mingyur Rinpoche vermag viele wesentliche Praktiken und Fragen im Zusammenhang mit Buddhismus auf einfache Weise aus eigener Anschauung zu erklären. Und das ist der wesentliche Unterschied zu anderen Lehrbüchern. Was ansonsten unpersönlich daherkommt, ist hier die Lebenssicht eines äußerst erfahren buddhistischen Lamas. Einzig gegen Ende trübt der doch sehr eigenwillige tibetische Buddhismus etwas das Bild. Doch soll hier nichts vorweggenommen werden.