Leserstimme zu
Denn es will Abend werden

Einsamkeit nach einem traumatischen Erlebnis

Von: femundo aus Köln
31.01.2020

In diesem Roman setzt Anna Enquist die Geschichte von Heleen, Carolien, Jochem und Hugo fort, die am Ende von 'Streichquartett' Opfer eines bewaffneten Überfalls wurden. Carolien und Heleen wurden dabei schwer verletzt, alle vier kämpfen mit den Erinnerungen an das Geschehen. Doch statt zusammenzuhalten, herrscht zwischen den Freunden zunächst Funkstille, dann Abwehr und Scham. Jeder hat seine eigene Art, mit dem Erlebnis umzugehen und jeder meint, der andere mache es irgendwie falsch. Jochem bedrängt seine Frau Carolien dabei so sehr, dass das Paar kurz vor der Trennung steht: »Er erwartet etwas. Er schaut. … Misstrauisch, auch ermüdet. Wir zerren aneinander, und keiner rückt von der Stelle.« Wer einmal etwas Traumatisches erlebt hat, wird in diesem Buch vieles wiederfinden. Traumata zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie außerordentlich sind; etwas, mit dem man im 'normalen' Leben nicht rechnen muss. Und gerade deshalb lassen sich die mit einem Trauma verbundenen Gefühle kaum mit anderen Menschen teilen. Oft gerade nicht mit denen, die einem nahe stehen. Anna Enquist findet Worte und Bilder für das daraus resultierende Gefühl der Isolation und tiefen Einsamkeit. Plötzlich kann man verstehen, weshalb Paare, die einen Schicksalschlag durchlitten haben, sich später trennen. Ein berührendes Buch, das sich - trotz des schweren Themas - leicht lesen lässt und das gut unterhält. Bevor es anschließend leise nachhallt.