Leserstimme zu
Tränen der Erde

Tränen der Erde: Religion essen Mensch auf

Von: Michael Taube
13.02.2020

Der neue historische Roman „Tränen der Erde“ spielt kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg, dem epochalen, Religionskrieg, indem zum Teil nur 1/3 der Bevölkerung überlebten. Die Protagonisten des Romans, die katholischen Heidfeldts und die protestantischen Ackermanns, sind zwei Familien, die durch eine gemeinsame Flucht aus Deutz in die freie Reichsstadt Schwäbischwerd zusammengeschweißt sind. Sie erleben in rund 20 Jahren in der neuen Heimat einen wirtschaftlichen Aufschwung, aber auch die Anfeindungen der Religionsanhänger, denn Schwäbischwerd ist protestantisch. Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich ein Handlungsstrang, der von Rache der Zurückgebliebenen, von religiösem Hass und von versoffener Entmutigung erzählt. Es gibt keinen Zweifel, das Autorenpaar Zach-Bauer sind großartige Schriftsteller. Die Autoren erzählen mit leichter Hand, die Figuren sind gut gezeichnet, ihre Handlungen schlüssig. Der Schreibstil ist so flüssig, dass ich den Roman in wenigen Tage durch hatte. Die „Offenbarung“, dass Schwäbischwerd später als Donauwörth bekannt wurde, gab dem Roman, die für mich notwendige Authentizität eines historischen Romans. Besonders beeindruckend und geschichtlich belegt sind die Auseinandersetzungen und damit verbunden Emotionen der Glaubensgegner. Trotz aller positiven Eindrücke wurde der Spaß am Lesen an einigen Stellen getrübt. Das reizvolle Cover zeigt eine Dame, dabei sind die beiden Hauptpersonen Männer, zumindest empfinde ich das so. Die Auflösung des Romans erfolgt auf knapp 80 Seiten des 560 Seiten starken Romans. Für mich kam das sehr überhastet vor; und das, nachdem zuvor einige Längen im Roman waren. Mir schien es, dass der Verlag 560 Seiten vorgeben hat und die Autoren bei 500 „aufwachten“ und nun zu Ende kommen mussten. Der Titel der Rezension bezieht sich auf einen Film von Regisseurs Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974: „Angst essen Seele auf“. Der Film handelt von einer älteren Frau, die sich in einen jüngeren Marokkaner verliebt und ihn heiratet. Fazit: Der Roman „Tränen der Erde“ des Autorenpaars Bastian Zach und Matthias Bauers ist ein spannender und abwechslungsreicher dabei authentischer Roman über die Jahre vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. Der historische Roman überzeugte mich durch Stil und dichten Inhaltes, könnte aber 100 Seiten kürzer sein.