Leserstimme zu
Summ, wenn du das Lied nicht kennst

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Spannender Roman und ein Stück jüngere Zeitgeschichte zugleich

Von: Karin Elsen aus Fürth / Bayern
07.03.2020

Robin, 9 Jahre alt, wächst wohlbehütet in einer weißen Gemeinschaft in Johannesburg auf. In ihrer Phantasie ruft sie eine imaginäre Zwillingsschwester Cat ins Leben, die all jene Eigenschaften übernimmt, die Robins Eltern an ihrer Tochter nicht mögen. Doch wir sind in Südafrika im Jahr 1976. Mitten in der Apartheidzeit. Robins Eltern werden während Rassenunruhen getötet. Das Mädchen wird von ihrer Tante aufgenommen. Doch die junge Stewardess kann ihren Job nicht aufgeben, sie sind auf das Geld angewiesen. Parallel zu dieser Geschichte spielt sich eine andere Geschichte ab, der schwarzen Lehrerin Beauty. Beauty ist nach Soweto gekommen, um ihre verschwundene Tochter Nomsa zu suchen und heim in die entfernte Provinz Transkei zu bringen. Doch während des Apartheid dürfen Schwarze nicht reisen wie und wohin sie wollen. Beauty ist illegal in Soweto unterwegs, ständig in Gefahr von der omnipräsenten Polizei verhaftet zu werden. Und wir ahnen es, auch ohne den Klappentext gelesen zu haben, Robins und Beautys Geschichten sind konvergent, irgendwann werden sie zu einer großen Geschichte, mitreißend und wunderschön, traurig und doch so hoffnungsvoll wie das Land in dem sie leben. Bianca Marais fasst die ganze Problematik in einem knappen Absatz zusammen, als Robin begreift, dass nicht nur Schwarze in Südafrika entrechtet sind sondern viele andere Randgruppen auch: während sie den verletzten Jonas an der Hand hält verstummt sie. Ihr fehlen die Worte „…in einer Welt, in der Leute gehasst und angegriffen wurden, weil sie nicht die richtige Hautfarbe hatten, nicht die richtige Sprache sprachen, nicht den richtigen Gott anbeteten oder die richtigen Leute liebten; eine Welt, in der Hass die Umgangssprache und Backsteine die einzigen Worte waren.“ (Seite 307). Manchmal frage ich mich, wie weit sind wir heute in Deutschland vom Apartheid Südafrikas der 70er und 80er Jahre entfernt?