Leserstimme zu
Die glorreichen Sechs

Steuern eintreiben - eine Gefahr für sich

Von: Roman-Tipps.de
01.04.2020

„Die glorreichen Sechs“ von Royce Buckingham ist das erste Buch, das ich von dem Autor gelesen habe, und es ist tatsächlich ein Einzelband. Der Klappentext hat mir hier so richtig gut gefallen und meine Spannung auf einen humorvollen und chaotischen Fantasy-Roman bis aufs Äußerste geschürt, dass ich es kaum erwarten konnte, das Buch endlich zu lesen. Allerdings habe ich anscheinend zu viel erwartet, denn die Geschichte konnte mich nicht so packen wie erhofft. Die Geschichte wird abwechselnd erzählt aus der Sicht von Prinz Caspar, Königin Neveah und der ehemaligen Dienerin Opal. Dabei gibt es drei Handlungsstränge, die gegen Ende zusammenlaufen. In „Die glorreichen Sechs“ dreht es sich darum, dass der verwöhnte Prinz Caspar, der nur das gemütliche Palastleben kennt, unerwarteterweise den meistgehassten Titel im Königreich verliehen bekommt: Zollmeister. Damit ist sein Traum von einem ruhigen Dasein als Botschafter dahin, denn er muss Steuern in den Grenzlanden, fremden und gefährlichen Ländern, eintreiben, die erst vor Kurzem noch nicht unter der Herrschaft der Königin Neveah gewesen sind. Noch dazu muss er die glorreichen Sechs befehligen: eine forsche, unehrenhafte und bunt zusammengewürfelte Truppe, die sich gerne über ihren verweichlichten Kommandanten lustig machen, der versucht, in der neuen und für ihn ungewohnten Situation zurechtzukommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Auf ihrer Reise durch die Grenzlande passieren sie viele abenteuerliche Orte, unwillige Steuerzahler mit ganz unterschiedlichen Kulturen und vielen Gefahren, z. B. durch aggressive Stämme – eine Menge Möglichkeiten für den jungen Kommandanten, um sich zu bewähren. Währenddessen kann man Opal bei ihrer Flucht durch das Land begleiten und Neveah, wie sie ihren blutigen Plan Stück für Stück in die Tat umsetzt. Wie bereits geschrieben, hat mir der Klappentext richtig gut gefallen und mich auf einen humorvollen Fantasy-Roman hoffen lassen. Der Anfang war auch wirklich gut, denn da konnte ich schon mal die glorreichen Sechs bei der Arbeit des Steuereintreibens miterleben, was definitiv amüsant vonstatten geht. Auch später, wenn es zu Caspars, Opals und Neveahs Perspektive wechselt, bleibt hin und wieder Humor vorhanden, wie z. B. lustige Begebenheiten, Dialoge, Verhaltensweisen oder Gedanken, über die ich etwas lachen konnte. Allerdings bekommt der Roman eine recht ernsthafte Note, sodass ich mir oftmals gar nicht mehr sicher gewesen bin, ob bestimmte Szenen tatsächlich humorvoll sein sollen oder ob das alles ernsthaft gemeint wird, da es nicht klar erkennbar ist. Das ist jedoch nicht das, was mich gestört hat. Denn das ist die Langeweile gewesen. „Die glorreichen Sechs“ hat Höhen und Tiefen….leider sind die Tiefen ziemlich stark vertreten. Trotz des flüssigen Schreibstils gibt es irgendwie in der gesamten Geschichte so lange Stellen, die einfach richtig zäh sind und meinen Lesefluss stark gedrosselt haben. Szenen, die endlos mit Belanglosigkeiten in die Länge gezogen werden, dass meine Nerven arg strapaziert worden sind. Weshalb ich recht bald keine besonders große Motivation mehr hatte weiterzulesen und alles sehr schleppend voranging. Doch dann ist immer wieder ein Funke Spannung dazugekommen, der mein Interesse geweckt hatte und mich denken ließ: Jetzt geht es endlich los! Und dann dauerte es nicht lange zur nächsten Enttäuschung, denn die Spannung flaute schnell wieder ab. Auf den letzten hundert Seiten legt die Story jedoch endlich an Spannung zu. Die Welt, die Royce Buckingham erschaffen hat, finde ich allerdings wirklich gut, denn sie bietet viel Spielraum für eine tolle Geschichte. Dabei sind die amüsanten Namen der Gegenden, Städte, Gebirge und Meere/Seen sehr einfallsreich, aber ebenso gewöhnungsbedürftig, wie z. B. das Arrogante Meer, die Spinnenbeinberge und die Stadt Reinfall. Ganz am Anfang des Buches gibt es eine Karte, sodass man z. B. die Reiserouten gut nachvollziehen kann. Auch die Idee der Story ist klasse – aber mit der Umsetzung komme ich größtenteils nicht zurecht. Ich meine „größtenteils“, weil es für mich zum einen langweilig gewesen ist, zum anderen es doch mal zu Lichtblicken gekommen ist, die meine Neugier auf den Fortgang der Geschichte gestärkt haben. Was die Charaktere betrifft, so haben sie es an einigen Stellen geschafft meine Aufmerksamkeit zu wecken, blieben für mich jedoch zu oberflächlich. Der kindliche und verwöhnte Prinz Caspar brachte mich von Anfang an zum Schmunzeln, ebenso wie seine Versuche die Situation unter Kontrolle zu bringen, dabei jedoch meistens alles zu vermasseln. Er ist unglaublich ehrenhaft, höflich und sehr nobel – und macht eine interessante Entwicklung vom verweichlichten Prinzen zum mutigen Helden durch. Dann gibt es noch den sprechenden Drachen Cliff, der zusammen mit dem derben und ständig Witze reißenden Übersetzer Heath ein amüsantes Team bildet. Den feigen, in sein Aussehen verliebten Barden Belorian, der sich gerne aus Schwierigkeiten und Kämpfen heraus hält. Die ständig schmutzige Pferdemeisterin und Fährtensucherin Yvette. Die schroffe und berechnende Buchhalterin Tara, die zugleich ein Mathe-Genie ist. Und noch viele andere. Letztendlich habe ich bezüglich der glorreichen Sechs auch mehr so eine Art amüsante und abenteuerliche Heldenreise oder meinetwegen „Schurkenreise“ erwartet, dass der Fokus auf die Charaktere gelegt wird, die man nach einiger Zeit immer besser kennen lernt. Leider kommen hier relativ viele Verluste von Charakteren vor, ebenso tauschen viele Charaktere sozusagen ihre Rollen. Fazit: Bei „Die glorreichen Sechs“ von Royce Buckingham habe ich leider viel zu viel erwartet. Die Welt und die Idee der Story gefällt mir gut, ebenso hin und wieder die Charaktere, obwohl mir da mehr Tiefgründigkeit und einen größeren Fokus auf diese gefehlt hat. Auch sind definitiv einige humorvolle und unterhaltsame Stellen vorhanden, doch größtenteils hat sich die Geschichte sehr zäh gezogen, sodass meine Motivation darunter leider stark gelitten hat.