Leserstimme zu
1965 - Der erste Fall für Thomas Engel

Ein guter Auftakt zu einer neuen Kriminalserie

Von: Buch und Ton
17.04.2020

Mit „1965“ erscheint der erste Roman der neuen Reihe um den jungen Polizisten Thomas Engel von Thomas Christos. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich des Drehbuchautors Christos Yiannopoulos, seines Zeichens ein geborenes Kind der 1960er Jahre. Der Auftaktroman rund um die Fälle des Thomas Engel handelt von Vergehen eines Triebtäters an jungen Mädchen. Durch geschickte Zeitensprünge werden hier ein alter und ein neuer, im Jahr 1965 spielender Fall, zusammengeführt. Durch Zufall stößt der junge Kommissar, der mit der Annahme einer Stelle in Düsseldorf den Absprung von seinem herrischen Vater und seiner diesem unterwürfigen Mutter schaffen will, auf eine Verbindung eines aktuellen Mordes an einem kleinen Mädchen zu einem Vorfall, der sich im Jahr 1939 nach selben Zügen ereignete. So liegt ihm die Vermutung nahe, dass die beiden Fälle trotz der großen zeitlichen Differenz zusammenhängen. Der damalige „Täter“ wurde scheinbar anhand der alten Akten auf ganz merkwürdige Weise geständig und war zudem nachweislich homosexuell. So wird zunehmend die Skepsis bei Thomas Engel geweckt und der Verdacht liegt mehr als nur nahe, dass der damalige Triebtäter auch für den aktuellen Mord verantwortlich ist. Doch seine Vermutungen und Ermittlungen treffen bei seinen Vorgesetzten, von denen sein oberster ein langjähriger Freund seines Vaters ist, auf scheinbar taube Ohren. Als Thomas plötzlich quasi per Zufall ein Bild aus alten Kriegstagen in die Hände fällt, sieht er nicht nur seinen Vater sondern auch seinen obersten Vorgesetzten in einem ganz anderen Licht. Und der junge Kommissar beginnt neben seinen Ermittlungen in den Mordfällen auch noch rund um die eigene Vergangenheit und die Taten seines Vaters und obersten Vorgesetzten über die Landesgrenzen hinweg zu ermitteln. Zwischendrin wird dann auch noch die private Entwicklung des jungen Thomas Engel und seine erste große Verliebtheit thematisiert. So rundet der Autor den Auftaktroman zur Serie rund um Thomas Engel auch auf dieser Ebene sehr angenehm und interessant ab. Einzig die Einbindung mit dem Rolling Stones Konzert wirkt etwas überkonstruiert. Allerdings bringt diese neue Art der Musik in der damaligen Zeit Thomas Engel und seine große Liebe zusammen. Thomas Christos ist mit „1965“ ein ordentlicher Auftakt-Kriminalroman gelungen, der die 1960er Jahre und die beiden Mordfälle durchaus gelungen widerspiegelt und letztlich auch auflöst. Zudem werden durch den Autoren diverse Verhaltensweisen von früheren Nazionalsozialisten und Kriegsverbrechern sehr gut reflektiert und ein durchaus großes postumes Kriegsproblem durchaus angemessen kritisch hinterfragt und thematisiert.