Leserstimme zu
Königsschwur

Königsschwur, Vorsicht Spoiler!

Von: Götz Piesbergen
03.05.2015

Mit der "Klingen"-Reihe wurde Joe Abercrombie weltbekannt und berühmt. Jetzt präsentiert der Heyne-Verlag mit "Königsschwur" eine neue Reihe des Autors. Es ist dabei der Auftakt zu einer Roman-trilogie, deren zweiter Teil im August herauskommen soll. Der Autor wurde 1974 in Lancaster, England geboren. Er studierte an der Manchester-Universität Psychologie, ehe er anfing als freischaffender Fernsehredakteur zu arbeiten. Da er zu Beginn zu viel Freizeit hatte, beschloss er einen Fantasy-Roman zu schreiben, aus dem bald mehrere wurden. Er lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Bath. Das Leben und Überleben in den Nordlanden ist kalt und hart. Denn nur, wer ein guter und großer Krieger ist, hat Chancen ein König zu werden. Yarvi ist das nicht. Er hat eine verkrüppelte Hand und wird deshalb zu einem Gelehrten ausgebildet. Doch dann werden sein Vater und sein Bruder, der Thronfolger, umgebracht. Und er wird zu einem König wider Willen. Doch allzu lange hat er diese Aufgabe nicht inne. Er wird verraten und als Sklave verkauft. Doch anstatt einzugehen und zu sterben, hält er durch. Er beginnt sich zu verändern, wird härter. Und plant sein Überleben und seine Rache. Denn wer auch immer hinter allem steckt, soll dafür büßen. Joe Abercrombie ist ein Vertreter der "Dark Fantasy". Das heißt, es geht bei ihm heftig zur Sache. Blut und Inneren werden in dieser Geschichte haufenweise verloren. Das muss man wissen, denn es zeichnet dieses Buch aus. Dabei ist die Story durchaus faszinierend. Yarvi erinnert etwas an Tyrion Lennister. Beiden ist gemein, dass sie auf Grund einer Behinderung keine Krieger werden können und deshalb gezwungen sind, ihren Verstand einzusetzen. Nur das Yarvi eben eine entsprechende Ausbildung erfährt. Der Auftakt des Romans liest sich deshalb faszinierend. Und auch die Charakterisierungen stimmen. Man merkt wie Yarvi von der Situation zu Beginn überfordert ist, wie untypisch er für diese Kriegergesellschaft ist. Der Verrat, der zu seinem Sklavendasein führt, schmerzt dabei deutlich, weil man die Emotionen nachvollziehen kann. Doch danach baut die Geschichte ab. Sie wird immer mehr zu 08/15. Und was besonders tragisch ist: Sie wird immer vorhersehbarer. Zu deutlich telegraphiert der Autor die Bedeutung von "Nichts" an, dem versklavten Schiffschrubber, der mit einer Waffe in der Hand tödlich ist. Zu sehr wirkt die Wandlung Yarvis zu einem rachebesessenen Menschen aufgesetzt. Es überzeugt nicht und was noch schlimmer ist, der berühmte Funke will nicht überspringen. Das liegt auch daran, dass man sich, je weiter die Handlung fortschreitet, immer mehr langweilt. Natürlich läuft die Flucht nicht glatt. Natürlich kommt es zu Kämpfen. Und natürlich wird, wie es im Genre üblich ist, jede gute Tat mit einer schlechten vergolten. Man kennt das alles und kann gut darauf verzichten. Am Ende ist das Buch "Nur Für Fans" etwas.