Leserstimme zu
Wir Witwen sind ein zähes Volk

“Trauern ist Marathon für die Seele. Ein Marathon auf den man sich nicht vorbereiten kann.”

Von: TextArt
26.06.2020

Die Autorin Maya Stomp hat mit dem Buch “Wir Witwen sind ein zähes Volk” ihre eigene Trauergeschichte verarbeitet und erzählt ihren ganz persönlichen Weg, wie sie mit dem Schicksalsschlag umging und letztlich auch daran gewachsen ist. Mit 41 Jahren ist sie plötzlich Witwe geworden. Zu einem Zeitpunkt, an dem man eigentlich mitten im Leben steht und noch viele große (gemeinsame) Pläne hat. Von jetzt auf gleich stand die Welt still und doch drehte sie sich für alle anderen weiter - ohne Rücksicht. Ihr Buch ist ein Sachbuch, das trotz des ernsten Hintergrundes in einem leichten Ton und mit Witz geschrieben ist. Diesen Widerspruch spricht die Autorin ebenfalls im Vorwort an. Meines Erachtens nach, tut das dem Buch aber keinerlei Abbruch. Ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass das Thema nicht ernst genommen wird oder der Ton unpassend wäre. Ganz im Gegenteil: Der Erzählstil von Maya Stomp hilft einem, dieses schwere Thema von allen Seiten zu betrachten und sich selbst zu hinterfragen. Man merkt, dass sie es selbst getan hat. Ihre Geschichte und ihre Erlebnisse wirken authentisch. Sie gibt Ratschläge und Tipps, die helfen können Trauerarbeit zu leisten und einen Verlust zu verarbeiten. Alles angelehnt an den Dingen, die ihr selbst geholfen haben. Besonders berührend finde ich das Kapitel, in dem sie andere Frauen zu Wort kommen lässt, die ihre eigenen Geschichten erzählen. Maya Stomp ist mittlerweile Trauercoach und hat sich der Aufgabe verschriebenen Trauernden bei ihrem Prozess zu begleiten. Sie ist in der Grief Recovery Method (Trauerprozess) als Coach zertifiziert und stellt in ihrem Buch auch einige Theorien vor. Dies passiert allerdings erst im zweiten Teil des Buches, sodass für mich die Theorien an dem Punkt schon nicht mehr richtig fassbar waren. Für mein Verständnis wollte die Autorin die Theorien jedoch nur anschneiden bzw. der Vollständigkeit halber erwähnen. Es wirkt auf mich nicht so, als wenn sie relevant für die Botschaft des Buches sind. Dennoch hätte ich persönlich eine kurze Erläuterung der vorhandenen Theorien und den Aufbau des Buches zu Anfang bevorzugt. Das Buch ist sehr verständlich geschrieben mit kurzen Kapiteln und Abschnitten, die mit Zeichnungen unterteilt sind. Im laufenden Fließtext und zum Ende der Kapitel wurden immer wieder ausgesuchten Zitate eingebaut. Sie sind sowohl tiefgründig, schön als auch tröstlich. Kurz gesagt, ein sehr empfehlenswertes Buch, wenn man einen Verlust verarbeiten möchte. Es gibt Zuversicht und das Gefühl nicht alleine zu sein.