Leserstimme zu
Wir Witwen sind ein zähes Volk

Trauer verändert alles

Von: MissGoWest
29.06.2020

Die Niederländerin Maya Stomp schreibt in „Wir Witwen sind ein zähes Volk: Trauern ist Marathon für die Seele“ über ihre persönlichen Erfahrungen nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes. Sie teilt ihr Buch nach einem Vorwort in vier Teile ein: Meinen Verlust annehmen, meinen Schmerz spüren, mein Herz heilen und mein Leben neu gestalten. Dabei konzentriert sie sich auf das Wesentliche und vermittelt einen schweren Stoff mit Texten, die leicht im Ton sind, wie sie selbst im Vorwort erwähnt. Genau das ist angenehm, gerade wenn man sich am Anfang der Trauer befindet. Das Layout des Buches ist offen und aufgelockert. Die eigentlichen Texte sind in schwarz geschrieben, Überschriften in rot und Zitate, die zum Thema passen, in einem Braunton. Zusätzlich wirken die Illustrationen von Charley Ambagtsheer wie ein frischer Wind. Die ganze Aufmachung spricht von Leichtigkeit als Gegengewicht zur Schwere des Themas. Obwohl sich das Buch in erster Linie an Witwen richtet, ist es generell für Hinterbliebene und Personen geeignet, die einen Verlust jeglicher Art erlitten haben. Ich empfand das Buch als sinnvollen Ausgangspunkt, sich mit dem Thema Trauer auseinanderzusetzen. Es geht nicht in die Tiefe wie andere Bücher des Genres, bietet aber viele Anreize zur Reflektion. Mir blieben einige Zitate im Gedächtnis: „Trauer verändert alles.“ (S. 37) „Ein Verlust ist nicht ein Problem, dass sich lösen lässt.“ (S. 37) „Du kannst nicht drum herum. Du musst durch. Mitten durch alle Emotionen.“ (S. 61) Wichtige Punkte wie die Frage nach dem Warum, körperliche und seelische Veränderung, die wichtigsten organisatorischen Fragen nach einem Todesfall, Trauertheorie, Trostspender und Selbstfürsorge werden angesprochen, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen. Ich finde schade, dass durch den Titel viele Hinterbliebene ausgeschlossen werden. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle LeserInnen, die sich erstmals mit dem Thema Trauer auseinandersetzen wollen, egal ob sie selbst einen Verlust erlitten haben oder jemandem beistehen wollen, der in Trauer ist.