Leserstimme zu
Wir Witwen sind ein zähes Volk

Danke.

Von: Sandra Schultze
30.06.2020

Beeindruckend. Maya Stomp nimmt den Leser mit in ihre „neue Welt“ aus emotionalem Chaos, Vergesslichkeit und Verzweiflung, in die sie als junge Witwe nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Alexander stürzt. Von einem Tag auf den anderen steht ihre Zeit still, obwohl sich die Welt um sie herum weiterdreht. Es gibt es kein „Wir“ mehr, zu dem sie gehört und als Teil dessen sie sich bislang gefühlt hat. Sie muss sich selbst und ihr Leben komplett „neu erfinden“. Sie beschreibt ihren Weg in ein neues Leben, ihr Stolpern und Wiederaufstehen, ihre Wahrnehmung. Was hat sie auf ihrem Weg weitergebracht, was hat sie zurückgeworfen? Gleichzeitig gelingt es ihr durch (stets inhaltlich zum Text passende und in meinen Augen optisch wunderschön gestaltete) Zitate und Zeichnungen, die sie zwischen ihren Texten einfügt, eine Leichtigkeit zu schaffen, die dem Gesagten die Schwere nimmt, ohne es abzuwerten. Im Gegenteil: teils ernst, teils philosophisch, teils humorvoll machen diese Einschübe die jeweilige Situation emotional (be-)greifbarer. Klare Leseempfehlung für jeden Menschen, der entweder selbst verwitwet ist oder das Handeln und Fühlen verwitweter Menschen aus beruflichen, privaten oder persönlichen Gründen (besser) verstehen möchte.