Leserstimme zu
Über Leben

Die schmerzhafte Realität

Von: wort.bildung
06.09.2020

Puh, ich weiß schon, warum ich nur zögerlich zu lesen angefangen habe. Dies ist kein Buch, um der mal mehr mal weniger doofen Realität zu entfliehen. Dieses Buch ist die Realität. Angsteinflößend und schmerzhaft. Normalerweise würde ich niemals sagen, dass man ein Buch gelesen haben muss. Da ich aber das Gefühl habe, dass die Umweltkrise für den Großteil der Menschen immer noch ein abstraktes Irgendwas ist, das man locker vor sich herschieben kann… Nun ja. Ich habe gelernt, dass pro Tag circa 150 verschiedene Arten aussterben. Ja, der Gedanke, dass es Koalas, Elefanten und co. irgendwann nicht mehr geben wird, ist traurig und furchtbar. Viel furchtbarer ist aber, dass das Schrumpfen der Biodiversität eine ernsthafte Bedrohung für uns ist. Die Umweltkrise ist also viel mehr als ‚nur‘ die Klimakrise (von der mittlerweile wohl jede*r gehört hat). Die Umweltkrise ist multikausal. Es braucht aktives Handeln statt reine Reaktion. Wir müssen aufhören, immer nur Symptome zu bekämpfen. Größer und weiter denken. Denn dass wir schnell und kompromisslos handeln können, verzichten können, hat uns COVID-19 bis dato gelehrt. Langfristig gedacht ist der individuelle Verzicht aber eben kein Verzicht, sondern ein Gewinn für die Allgemeinheit. Ein Virus ist schlimm, die Umweltkrise schlimmer. Wo also bleibt die radikale ökologische Transformation? Es braucht mehr als die reine Symbolik des Klimanotstands. Denn Umweltschutz bedeutet Freiheit. Insgesamt ein tolles Buch, wenn es mir auch Bauchschmerzen bereitet. An dieser Stelle muss ich auch noch einmal sagen, wie dankbar ich dem Wissenschaftsjournalismus bin, der es schafft, Wissenschaft verständlich zu machen.