Leserstimme zu
Vardo – Nach dem Sturm

Düster. Bedrückend. Berührend.

Von: Camilla
19.09.2020

Düster. Bedrückend. Berührend. So lautet mein Fazit zu „Vardø“ von Kiran Millwood Hargrave, das ich vor ein paar Tagen beendet habe. Dass das Leben auf der kleinen Insel an der Nordostküste Norwegens hart und entbehrungsreich ist, wird schon zu Beginn des Romans durch Hargraves bildhafte und ungeschönte Erzählweise deutlich. Der Tod der Fischer bei dem Sturm ist zuallererst eine Tragödie für die Frauen der Siedlung. In dem Versuch, sich selbstständig ein Überleben zu sichern, ergeben sich außerdem neue Dynamiken und Spannungen unter den Frauen, was aus der Sicht der jungen Maren eindringlich und spannend beschrieben wird. Noch grauenhafter als die Folgen der Naturgewalt ist jedoch der Schrecken, den ein einziger Mann über die Insel bringt: Der Kommissar und Hexenverfolger Absalom Cornet. Zu Beginn brauchte ich ein wenig, um mich in den ungewöhnlichen Schreibstil hineinzufinden. Die Geschichte entwickelt sich zunächst langsam mit dem Fokus auf zwischenmenschlichen Beziehungen, einerseits unter den Frauen in Vardø, anderseits zwischen Cornet und seiner jungen Gattin Ursa. Die Mischung aus Angst, Leid, Hass, Verrat und Lügen, die wie eine dunkle Wolke über der Insel schwebt und sich zum Ende hin in einen schrecklichen Sturm verwandelt, konnte ich bei der Lektüre ununterbrochen nachempfinden. Dieser von wahren Begebenheiten inspirierte Roman ist für mich ein bedrückendes Buch mit wichtigen Aussagen zu den Themen Machtmissbrauch, Hetze und Selbstbestimmung, die auch heute noch höchstaktuell sind. Klare Leseempfehlung!