Leserstimme zu
Sterntaler

“Judging a book by its cover”…

Von: Sebastian
19.05.2015

…das ist etwas, das macht man eigentlich nicht. Aber als ich neulich durch eine große Buchhandlung geschlendert bin, konnte ich ‚Sterntaler’ von Kristina Ohlsson einfach nicht wiederstehen. Ein majestätischer Schmetterling in rot und blau schwebt anmutig über seinem Spiegelbild. Bei näherem Hinsehen wirken die Flügel jedoch wie getrocknetes Blut und das Cover sieht aus wie ein Rorschach-Test. Durch meine Oberflächlichkeit, und dem Hinweis auf dem kleinen Hochglanz-Sticker, dass sich dieses Buch auf der Spiegel Bestseller-Liste befindet angetrieben, habe ich zugeschlagen und es gelesen. Das erste, was mir an Sterntaler aufgefallen ist, ist die Länge der Kapitel. MManchmal sind sie tatsächlich nicht länger als drei Seiten. Unterbricht dies den Lesefluss? Nein. Dank der vielen Hauptcharaktere wird der Leser mit vielen kleinen Updates zu jeder Zeit des Buches über jeden Gedanken, jedes Problem und jeden neuen Hinweis sofort informiert. Anstatt davon überfordert zu werden fühlt es sich eher an als säße man in einem Polizeirevier, als würde man über jede mögliche Lösung für das Verbrechen grübeln, während immer mehr Neuigkeiten eintröpfeln. Also, der Stil ist in meinen Augen gut, aber wie steht es um die vielen Charaktere? Da die Handlung von Sterntaler sich nur über eine Zeitspanne von wenigen Wochen erstreckt, scheint eine Veränderung und Weiterentwicklung der Figuren fast unmöglich, wird jedoch durch die individuelle und vielschichtige Vergangenheit jedes einzelnen Beteiligten ausgeglichen, welche Kapitel für Kapitel ans Licht kommt. Keiner der Protagonisten ist perfekt, jeder hat seine Stärken wie auch seine Schwächen, welche sie nur noch sympathischer, menschlicher erscheinen lassen. Ein kleines Detail, welches mich besonders angesprochen hat, sind die Beweggründe für jede Entscheidungen der Figuren. Was daran so besonders sein soll? Sie existieren. Fehler werden nicht begangen, weil sie wichtig für die Handlung des Buches sind. Fehler werden begangen, weil sie aus der Sicht der entscheidenden Person Sinn ergeben. So, schöner Stil, nette Charaktere, aber worum geht es in Sterntaler? Das ganze Spektakel beginnt mit dem Fund einer Leiche. Sie scheint bereits alt, doch anhand eines Piercings erkennt ein Polizist das Mädchen wieder, die vor 2 Jahren verschwundene Studentin Rebecca Trolle. Der Fall wird neu aufgerollt, die Leitung übernimmt der damalige Ermittler Alex und sein (nun neues) Team, bestehend aus Peder, Frederika, frisch zurück aus dem Schwangerschaftsurlaub, und ein paar anderen Polizisten. Schon bald wird klar: In der damaligen Untersuchung wurden Fehler begangen. War dies aber Absicht? Jeder der Ermittler folgt anderen Spuren, und die Angelegenheit wird noch verzwickter, als der Vater von Fredrikas Kind plötzlich in den Untersuchungen auftaucht. Wie lange kann man so etwas vor den eigenen Kollegen verheimlichen, ohne dass diese selber darauf stoßen? Es bildet sich ein weitreichendes Netz aus Verdächtigen, doch niemand scheint ein ausreichendes Motiv zu besitzen. Als schließlich eine weiter Leiche auftaucht, wird klar, dass der Fall um einiges größer ist als nur der Mord einer einzelnen Studentin. Das einzige Element, welches alle Beteiligten zu verbinden scheint, ist eine ehemalige und nun übermäßig schweigsame Kinderbuch-Autorin… Ein Spanender Fall, dessen Ende selbst den erfahrensten Krimi-Leser überraschen sollte. Sterntaler ist ein Werk, das sich von den anderen abhebt, und in der Oberliga der Thriller-Literatur mitspielen kann.