Leserstimme zu
Verderbnis

Das Böse wartet schon

Von: Belles Leseinsel
28.05.2015

Auf dem Parkplatz eines Supermarktes wird das Auto von Rose Bradley gestohlen, als diese gerade die Einkäufe einladen will. Das Fatale daran: ihre 11-jährige Tochter Martha saß im Wagen und von dem Auto fehlt jede Spur. DI Jack Caffery wird mit dem Fall betraut und anfangs geht der Detective davon aus, dass der Täter es ausschließlich auf das Auto abgesehen hat und Martha schnell wieder auftaucht. Doch weit gefehlt, das Mädchen bleibt unauffindbar. Gleichzeitig lässt der Täter Caffery wissen, dass dies nicht seine letzte Tat gewesen ist. Dem Detective ist schnell klar, dass er es hier mit einem äußerst gerissenen wie skrupellosen Täter zu tun hat, der ihm immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Dann schlägt der Täter wieder zu. Während Jack Caffery unter Zeitdruck an dem Entführungsfall arbeitet, lässt sich DS Flea Marley mehr oder weniger treiben. Durch das Verhalten ihres Bruders maßlos enttäuscht, hat sie die Folgen immer noch nicht verarbeitet, die Führung ihrer Einheit lässt sie schleifen, dementsprechend häufen sich die Beschwerden. Doch als Flea von dem Entführungsfall erfährt, erinnert sie sich an zwei Fälle, welche sich vor rund  Jahr abgespielt haben. Auch hier entführte ein Täter unter den Augen der Eltern deren Auto während das Kind im Auto saß. Allerdings konnte in beiden Fällen das Auto mitsamt Kind binnen kürzester Zeit wieder gefunden werden. Damals ging man davon aus, dass der Täter es nur auf das Auto abgesehen hatte und als er die Anwesenheit des Kindes bemerkte, schnell geflüchtet ist. Doch soll es damals wirklich so gewesen sein oder handelt es sich hierbei um den gleichen Täter und dieser hatte damals nur geübt? Flea äußert ihren Verdacht Jack Caffery, was den aktuellen Fall in eine ganz neue Richtung führt. Aber selbst mit diesem Wissen stagnieren die Ermittlungen, es lässt sich einfach keine heiße Spur, geschweige denn ein Verdächtiger finden. Und Jack läuft die Zeit davon. Auch im 5. Band verliert sich Mo Hayder nicht in großem Vorgeplänkel, sondern steigt sofort mit der Entführung von Martha Bradley in ihren Thriller ein. Und so rasant der Einstieg in den Fall ist, so temporeich entwickelt sich die Geschichte bis zum äußerst überraschenden wie schlüssigen Ende weiter. Allerdings sollte man in jedem Fall die Vorgängerbände gelesen haben, da die Reihe aufeinander aufbaut und Ereignisse aus vorigen Büchern auch in diesem Band eine entscheidende Rolle spielen. Die Story entwickelt sich sehr komplex. Neben den ständig im Fokus liegenden Ermittlungen kommt aber auch das Privatleben von Jack und Flea nicht zu kurz. Während Jack nach wie vor den Kontakt zum „Walking Man“ sucht und dieser ihm die Augen über Flea öffnet, verfolgt man auch das Gefühlschaos, in welchem Flea sich nach den Vorgängen aus dem 4. Band noch befindet. Und natürlich kann es die Polizeitaucherin auch nicht lassen, sich wieder in den Fall von Jack einzumischen und hier ihrer Intuition zu folgen. Diese führt sie allerdings in eine lebensbedrohliche Situation. Sehr fesselnd und zumeist hochspannend schildert Mo Hayder die Geschehnisse rund um die Entführungsfälle. Bis zum Schluss ist einem nicht bekannt, ob die Mädchen überleben werden, welche Ziele der Täter verfolgt, noch um wen es sich dabei handeln soll. Den einen oder anderen Verdächtigen präsentiert Mo Hayder ihren Lesern zwar, doch kann man sich selbst der recht schlüssigen Indizien nicht sicher sein, ob es sich hierbei wirklich um den Täter handeln könnte oder ob die Autorin noch eine ganz andere Lösung in petto hat. Fazit: Nach „Der Vogelmann“ der bisher beste Thriller der Reihe: hochspannend, packend und vielschichtig angelegt.