Leserstimme zu
Die Magie der kleinen Dinge

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Vielversprechend, Umsetzung jedoch nicht so überzeugend...

Von: Sofia Ma
31.05.2015

Aufmachung: Das Cover gefällt mir doch schon recht gut. Ich habe mir Nella so in etwa vorgestellt wie die Frau, die dort zu sehen ist und man sieht ein Zimmer des Puppenhauses, das im Buch doch schon eine relativ große Rolle spielt. Den deutschen Titel finde ich ebenso gelungen wie den OT. Das Buch ist in insgesamt fünf Teile geteilt, von denen jeder mit einem Bibelzitat beginnt. Im Anhang finden sich Erklärungen zu einigen holländischen Begriffen, die das Verständnis erleichtern, sowie eine Übersicht über das Durchschnittseinkommen einiger sozialen Gruppen im Holland des 17. Jahrhunderts und das Durchschnittsauskommen eines Holländers zu der Zeit. Mit dem Lesebändchen dazu ist das Buch also recht hochwertig und hübsch gestaltet. (LESEBÄNDCHEEEN!!! :D) Meine Meinung: Auch dieses Buch hat einen vielversprechenden Klappentext, der mich jedoch wieder enttäuscht hat. Ich war gespannt auf die Geheimnisse der Brandts und wollte wissen, was es mit der Miniaturistin auf sich hat. "Die Magie der kleinen Dinge" erschien mir wie ein spannender historischer Roman, auf den ich mich dann natürlich auch dementsprechend gefreut habe. Tja, leider hat Burton all das nicht so umgesetzt, wie ich es mir erhofft hatte. Die Geheimnisse der Brandt sind gar nicht so geheimnisvoll, wie sie zuerst den Anschein haben, bereits nach den ersten hundert Seiten hatte ich eine Ahnung, was die Familie verbirgt. Und als es dann auch wirklich so war, war ich nicht sonderlich überrascht, da es ja doch sehr offensichtlich war. Allerdings ist das nicht das einzige, das ich erraten konnte und so wurde das Buch, von dem ich mir anfangs so viel versprochen habe, doch sehr schnell ziemlich langweilig. Dazu kommt dann noch, dass Burtons Schreibstil doch sehr schwerfällig ist. Zwar ist mir klar, dass sie sich an die Zeit anpassen muss, allerdings hat die Autorin das dann doch sehr holperig umgesetzt, was den Lesefluss natürlich zusätzlich noch erschwerte. Ebenfalls negativ fällt die Protagonistin auf: Sie - und auch alle anderen Charaktere - ist sehr oberflächlich gehalten, weshalb der Leser keine richtige Beziehung zu ihr aufbauen kann und nicht wirklich warm mit ihr wird. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass sie - besonders zu Anfang - noch sehr naiv und kindlich ist. Dann entwickelt sie sich jedoch weiter und man merkt schon, dass sie am Ende über sich hinaus gewachsen ist. Das ist ein Pluspunkt. Ebenso hat mir gut gefallen, wie Burton die Situationen der verschiedenen sozialen und gesellschaftlichen Gruppen - Reiche, Arme, Diener, Dunkelhäutige, Homosexuelle - dargestellt hat. Man erkennt, welchen großen Einfluss die Kirche zu der Zeit in Amsterdam gehabt haben mochte - weshalb ich die oben erwähnten Bibelzitate auch passend fand - und kann sich die Gegebenheiten dort sehr gut vorstellen. Fazit: Ein Buch, das viel verspricht, jedoch nicht besonders gut halten kann. Positiv anzumerken sind die Entwicklungen der Charaktere sowie die Darstellungen seitens der Autorin, wie es gewesen sein muss, zu der Zeit gelebt zu haben. Allerdings fehlt es hier eindeutig an ein wenig Spannung, was zum Teil an der prägnanten Vorhersehbarkeit des Plots, zum Teil aber auch an der Protagonistin liegt. Außerdem lässt sich Burtons Schreibstil nur schwer lesen, ist also nichts für zwischendurch. 3/5 Lesehasen.