Leserstimme zu
40 Stunden

"40 Stunden" #FarisIskander

Von: Kaisu
09.06.2015

Es ist ein Tag wie jeder andere auch in dem Leben von Faris Iskander, seit dem er suspendiert worden ist. Ein Tag reiht sich an den nächsten. Monotonie steht quasi an der Tagesordnung. Doch dieser eine Tag sollte anders werden. Ganz anders. Und er wird seine Zukunft weitreichend beeinflussen. Ein Video ist der Auslöser, welcher er zugeschickt bekommt. Darin ist eine Kreuzigung zu sehen und der Mann am Kreuz lebt sogar noch. Doch wie soll Faris einen Menschen retten den er nicht kennt? Warum sollte er ihn überhaupt retten wollen? Seine Stunden sind eh gezählt? Nun, das Problem liegt in den Drähten, die mit diesem Gekreuzigten und der Zukunft Berlins verbunden sind. Stirbt er, sterben noch weitaus mehr Menschen in der Hauptstadt, denn das Video zeigt nichts anderes als eine Bombe, die eine Kettenreaktion auslösen würde, sobald der letzte Herzschlag erklingt. Sofort ist der Ermittler Feuer und Flamme. Er befolgt die Anweisungen, die ihm der Drahtzieher zugesandt hat und begibt sich in die Berliner U-Bahn. Doch was ihn dort erwartet, damit hat er nicht im geringsten gerechnet. Auch nicht damit, dass er plötzlich nur noch 40 Stunden Zeit hat um den Täter zu identifizieren. Woher soll er wissen wer er ist? Der den er vorgibt zu sein, kann er nicht sein. Diese Person ist tot. Bei einem Bombenanschlag in tausend Stücke zerfetzt worden! Oder etwa doch nicht? Faris fängt an zu überlegen. Zeitgleich beginnt die Sondereinheit der Polizei mit den Ermittlungen. Sie versuchen in den gleichen Richtungen, wie auch Faris einen roten Faden zu finden, um einen Massenanschlag zu verhindern. Doch die Zeit rennt und gute Ansätze sind partout nicht zu finden. Ein zeitliches Limit in einem Thriller ist immer gut. So ist die Spannung eigentlich vorprogrammiert. Wenn man dann auch noch regelmäßig über die Zeit informiert wird, steigert sie sich erst recht. Doch was ist, wenn man den Täter schneller herausfindet als die Beamten? Das ist nicht sehr praktisch für die Spannung. Da man sich die spannende Auflösung eigentlich sparen kann. So erging es mir leider beim Lesen dieses Buches. Allein durch logisches Denken und Ausschlussverfahren, hat sich beim erster Verdacht bestätigt und die gewollten Hibbelmomente bis zum Finale gab es bei mir somit nicht. Ich glaube nicht, dass das von der Autorin gewollt gewesen ist, denn der Täter ist gut versteckt und rennt nicht mit einer weißen Flagge auf dem Spielfeld herum. Dennoch ist so etwas schade. Ebenso habe ich die Taktik, den Leser durch verschiedene Ansätze in die Irre führen zu wollen zu schnell durchschaut. Daher waren diese Abzweige nur "überflüssiges" Beiwerk. Positiv ist jedoch die Idee des Zeitraffers und die Art, wie Frau Lange das Spannungsfeeling Stück für Stück aufgebaut hat. Auch der Schreibstil ist sehr locker gehalten. So bekommt man einige Einblick in die kirchliche Geschichte, die aber nie trocken wird. Ebenso spürt man die Menschenmengen des Kirchentages und den fröhlichen Eifer, der anreisenden Gäste. Daher gibt es von dieser Seite keinerlei Kritikpunkte. Ob man nun aber eine Liebelei mit einbauen musste, halte ich für fragwürdig. Das will man nicht unbedingt lesen und vor allem nicht in einem 40 Stunden Buch! Das darf gerne später in aller Ruhe geschehen. Schön ist auch die Einteilung in mehrere Buchteile, um einem somit noch einmal den engen Zeitplan vor Augen zu halten. Es ist wie in einem Film, wo sich anfangs alle im Kreis drehen, man nichts zu greifen bekommt und dann auf den letzten Drücker fällt der bekannte Groschen. Alles in allem kann ich den Eifer vieler Leser zu dem Buch hier leider nicht nachvollziehen. Es konnte mich nicht so packen wie erhofft, aber da man dies bekanntlich nicht vorher wissen kann und Geschmäcker verschieden sind, habe ich ganz selbstlos den Selbsttest gemacht. Ob ich allerdings auch den zweiten Teil testen werde, steht noch in den Sternen. Vorerst ist es nicht geplant. Da kann mich auch nicht der Schreibstil locken. Zu groß ist meine Sorge wieder nur laue Spannung zu bekommen, die eigentlich bei einem Thriller unausweichlich da sein muss.