Leserstimme zu
Die Magie der kleinen Dinge

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

History meets Mystery

Von: Dystopia13
06.07.2015

Kritik: Cover: Ein Fenster, davor ein Stuhl und ein Käfig. Durch das Fenster guckt eine Frau. Eindeutig viel größer als das Fenster selbst. Sie guckt also in ein Puppenhaus. Sehr passend. Gleichzeitig sieht man am Stil des Stuhls und der Tapete, dass das Buch in der Vergangenheit spielt. Sehr passendes und hübsches Cover. Ich mag es, wenn Cover auch den Inhalt wiederspiegeln. Eindrücke/Inhalt: Ein historischer Roman gepaart mit Mysteryelementen und natürlich ein Familiendrama. Der historische Aspekt des Buches war etwas schwierig für mich. Das liegt aber daran, dass mir Bücher aus “einer anderen Zeit” einfach nicht so liegen. Die Geschichte um Nella und ihre neue Familie entwickelt sich nur langsam. Richtig gefesselt hat sie mich erst mit der Hälfte des Buches. Dennoch war sie spannend. Das besondere ist, dass es Elemente der Zeit des 17. Jahrhunderts mit Mysteryelementen kombiniert. Wer ist diese Miniaturistin? Und gleichzeitig ist es auch ein kleiner Krimi/Thriller. Was hat es mit Johannes Brandt auf sich und was verschweigt Marin? In diesem Buch gab es im zweiten Teil so viele Offenbarungen und Wendungen, dass ich sie nicht vorhersehen konnte und einfach nur noch wissen wollte, wie es ausgeht. Ab da war es ein Pageturner. Auf der anderen Seite erzählt die Geschichte die Entwicklung einer jungen naiven Frau zur gestandenen Ehefrau, die sich in der Welt auch allein zurecht finden wird. Charaktere: Wir haben es hier mit mehreren Charakteren zu tun. Da ist natürlich zuerst einmal Patronella. Sie startet als naives junges Mädchen, das mit ihrer Heirat ein neues Leben starten will, ein aufregendes und glückliches Leben. Doch wie ernüchtert ist sie, als sie in Amsterdam bei ihrem Mann ankommt. Von da an erfährt sie eine Entwicklung zur gereiften Frau innerhalb von nur drei Monaten. Dies geschieht langsam und fast unmerklich. Immer wieder fällt sie auch in ihr naives Verhalten zurück, gerade wenn sie die Puppenstube als Vorhersager sieht und die Miniaturistin für ihre Zukunft verantwortlich macht. Insgesamt ist Nella aber ein sehr positiver, mutiger und selbstbewusster, aber vor allem auch starker Frauencharakter. Man weiß am Ende des Buches: trotz aller Widrigkeiten wird sie ihren Weg machen. Zum anderen gibt es dann natürlich ihren Ehemann Johannes Brandt. Der ist so überhaupt nicht fassbar. Distanziert, gleichzeitig herzlich. Irgendwie kalt und dennoch fürsorglich. Er war durch und durch widersprüchlich. Genauso seine Schwester Marin. Oberflächlich streng und gottesfürchtig, aber hinter der Fassade doch auch nur eine leidenschaftliche Frau. Auch die Nebenfiguren sind alle besonders und vielschichtig, wenngleich wir mitunter etwas wenig über sie erfahren, um richtig mit ihnen mitzufühlen. Stil/Gliederung: Den Prolog versteht man erst, wenn man das ganze Buch gelesen hat. Etwas schwierig, weil es für mich schon müßig war, durch den Prolog durchzukommen. Keine Namen wurden genannt. Alles war irgendwie seltsam. Wenn man den aber geschafft hat, kann man das restliche Buch genießen. Sprachlich ist es modern und doch nicht modern. Es hätte auch aus einer anderen Zeit stammen können. Dennoch las es sich angenehm. Die Kapitellänge war jedenfalls völlig in Ordnung. Fazit: Dies ist eher ein Roman der leisen Töne. Er kommt nur langsam in Gang, ist dann aber vielschichtig und spannend trotz des langsamen Erzähltempos. Für Fans dieses Genres sicher ein lohnenswertes Leseerlebnis.