Leserstimme zu
Ein mörderischer Sommer

Ein mörderisch guter Psychothriller

Von: corinnabub
11.07.2015

Der Roman ist zwar schon sehr alt, aber immer noch lesenswert - nicht grundlos ist das Buch schon mehrmals neu aufgelegt worden. Joy Fielding schreibt einfach zeitlos und ist bis heute eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Protagonistin Joanne Hunter ist in diesem "Sommerschmöker" das erste Mal in ihrem Leben auf sich selbst gestellt. Als sie ihre Töchter für das Sommercamp anmeldet, rechnet sie nicht damit, dass auch ihr Mann auf unbestimmte Zeit aus dem gemeinsamen Haus auszieht. Allein in einem großen Haus zu sein ist für Joanne schon schlimm genug, aber die verstörenden Anrufe geben ihr den Rest. Dabei bleibt es allerdings nicht, denn er/sie verfolgt die 40-jährige Frau und hinterlässt ihr z. B. Zettel an der Windschutzscheibe ihres Autos. - Alle sind ausgeflogen, doch ein Stalker/eine Stalkerin hat sich in ihrem Leben eingenistet. - Als sie ihren Mann um Hilfe bittet, wirft er ihr vor zu Lügen, damit er nach Hause zurückkommt. Selbst ihre beste Freundin und Nachbarin schenkt ihr keinen Glauben und so ist Joanne auf sich alleine gestellt. Sie beginnt über ihr Leben nachzudenken und beschließt es umzukrempeln. Um nicht weiter finanziell von ihrem Mann abhängig zu sein, beginnt sie in einer Arztpraxis zu arbeiten. Außerdem fängt sie an Tennis zu spielen und versüßt sich mit einer kleinen Affäre das Leben. Es könnte so ein wundervoller Sommer werden, wäre da nicht die mörderische Absicht des Unbekannten/der Unbekannten. Denn trotz Ablenkung macht ihr der Verfolger/die Verfolgerin weiterhin das Leben schwer. Dieser Roman ist nicht nur ein guter und spannender Psychothriller, sondern die Geschichte beschreibt auch die Verwandlung einer Frau, die bisher immer nur für ihre Familie gelebt hat, während diese ihr längst aus den Händen geglitten ist. Dank ihres neu gewonnen Selbstvertrauens und ihrer Kämpfernatur schafft sie nicht nur den Sprung in ein neues Leben, sondern sie hat auch den Mut sich gegen ihren Peiniger/ihre Peinigerin zu wehren. Was sie nicht weiß: Diese Person hat längst einen festen Platz in ihrem Leben und nicht nur Joanne ist am Ende verblüfft... Joy Fielding hat auch die Nebenfiguren gut ausgearbeitet, was die Spannung ins unermeßliche steigen lässt. Ihre beste Freundin und deren Mann kommen einem ebenso verdächtig vor, wie ihre Affäre und ihr eigener Mann (der übrigens seit dem Auszug in einer neuen Beziehung lebt - ein weiterer Schlag für Joanne). Natürlich gibt es noch mehr "verdächtiges Material": Die Handwerker in ihrem Haus, das Pflegepersonal ihres Großvaters oder die Mitarbeiter der Arztpraxis. Lasst euch überraschen... Fazit: Ein typischer Joy Fielding, der wunderbar ohne Blutvergießen auskommt. Gut ausgearbeitete Protagonisten lassen einen sehr leicht in die Geschichte eintauchen.