Leserstimme zu
Are you finished? - No, we are from Norway

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Eine Kellnerin am Rande des Wahnsinns

Von: fraeulein_lovingbooks
12.07.2015

Inhalt Wer Menschenkenntnis entwickeln will, sollte Psychologie studieren – oder in der Gastronomie arbeiten. Denn: Die wahren menschlichen Abgründe tun sich dort auf, wo der Mensch isst, trinkt und am Stammtisch sitzt. Als Sophie Seidel sich als Kellnerin etwas Geld dazuverdienen will, geben ihr die Kollegen keine zwei Wochen. Sie beißt sich durch, stemmt Bierkrüge und vollgeladene Teller und hört nachts zum Abreagieren Metallica. Doch schuld am täglichen Irrsinn sind weder die Kollegen noch der diktatorische Koch: Es sind die Gäste, die Sophie Seidel an den Rand des Wahnsinns treiben … Ein humorvoller Bericht aus dem Leben einer Kellnerin. Meine Meinung Zuerst möchte ich mich bei dem Bloggerportal (insbesondere Sebastian Rothfuss) für das Rezensionsexemplar bedanken :) Ich habe selten so viel gelacht wie bei diesem Buch, obwohl man manchmal nur den Kopf schütteln kann. Viele Gästen haben wohl ihre gute Erziehung zu Hause gelassen und meinen wilde Sau spielen zu müssen, sobald sie ein Restaurant betreten. Ich selbst habe zwar nie als Kellnerin gearbeitet, habe mir aber während der Schulzeit als Küchenhilfe Geld dazu verdient und da klagten die Kellnerinnen auch sehr über die Gäste, jedoch nicht so “heftig” wie es Sophia Seidel es hier tut – was vermutlich an auch an der Größe und der Lage liegt. Kleinstadt gegenüber Großstadt. Ihre Erlebnisse und skurrilen Geschichten lassen sich sehr leicht und flüssig lesen. Das Buch hat mit 269 Seiten die perfekte Länge und wirkt nicht zugestopft mit Informationen und auch nicht unnötig in die Länge gezogen. Die Geschichten unterteilt Sophie Seidel in verschiedene Kapitel wie “She is in se Soß” – Broken English oder Kellnern – von Status, Ausrastern und verpassten Chancen und leitet diese mit einer witzigen oder kuriosen Szene eingeleitet. Am Ende jedes Kapitels rundet sie es mit diversen Top Fives ab – was ich persönlich eine klasse Idee fand. Am schönsten fand ich das Kapitel über das Verhalten und Mentalität der unterschiedlichen Nationen – rührend fand ich die Geschichte mit dem Inder, der ihr Trinkgeld gibt, welches sein Geschäftspartner der Kellnerin nicht gab…50€ was für einen Inder unglaublich viel Geld ist (das weiß ich aus Erfahrung). Der Koch, der Schankkellner, die anderen Kellner und Kellnerinnen, der Chef und auch die liebenswerte russische Putzfee waren so liebevoll beschrieben, das man das Gefühl hatte, alle zu kennen. Ich werde beim nächsten Restaurantbesuch mit Sicherheit den einen und anderen Charakter in den Beschäftigten wiedererkennen und mich lachend an dieses Buch erinnern – danke liebe Sophie Seidel für dieses tolle Buch! Schönstes Zitat Kollegin steht vor der Kasse und tippt eine Bestellung. Plötzlich springt ein Knopf von ihrem knappen Dirndl ab und landet laut klirrend auf der Tastatur der Kasse. Der Schankkellner hat das Klirren gehört und fragt: “Was war´n das eben? Hast´n Zahn verloren?” Der selbstständig gewordene Knopf hat eine Bestellung in der Kasse aufgegeben, denn aus der Küche kommt es gedonnert: “Hundertzwanzig Spanferkel?”