Leserstimme zu
Ludwig II.

Ein Mythos – distanziert analysiert

Von: Jules Barrois
13.07.2015

Großzügig und gescheitert – so präsentiert Oliver Hilmes Ludwig II., „der in erster Linie eines war – ein unzeitgemäßer König“. Er zeichnet das Bild des größenwahnsinnigen Monarchen: Pompös regierte der schwärmerische Lieblingskönig der Bayern an allen Realitäten vorbei und plünderte für seine in Stein gehauenen Märchenfantasien nicht nur die Königsschatulle, sondern auch die Staatskassen, so dass die vielen Verschwörungen der königlichen Berater und Ärzte gegen Ludwig durchaus echter Verzweiflung entsprangen. Oliver Hilmes legt starkes Gewicht auf die despotischen Züge des Königs. Er bietet uns eine tragische Figur, einen einsamen Menschen, der sich in der Zeit, in der er lebte, nicht wohl fühlte und deshalb in die Märchenwelt floh, die er selbst und mit ihm viele Untertanen geschaffen hat. (Und auch heute noch schaffen: Die Legende Bayern) Er schreibt in diesem Buch mehr wie ein Historiker und weniger wie ein Schriftsteller. Vielleicht tut er das, um den Eindruck der Objektivität zu erreichen, an dem ihm wohl gelegen ist. Der Autor konnte erstmals das geheime Archiv der Wittelsbacher auswerten. Er tut dies mit der gebotenen Sachlichkeit und Offenheit. Gut und unkompliziert geschrieben. Ein interessantes und gut lesbares Buch, das uns einige neue Aspekte über den unzeitgemäßen König aufwartet. Für mich ist es ein stimmiges Gesamtbild Ludwigs II. (das allen bayerischen Stammtisch-Klischees standhält. interessanter und offener Blick auf ein tragisches Leben. Alles in allem zeichnet Oliver Hilmes ein wenig schmeichelhaftes Bild. Aber von der Nachwelt wurde ausgerechnet der weltfremde Egozentriker und Menschenverächter Ludwig II. zum „Märchenkönig“ stilisiert und Identifikationsfigur für viele. Historische Persönlichkeit und Mythos scheinen eben zwei verschiedene Dinge zu sein. Sehr empfehlenswert sowohl für Fachleute wie Liebhaber.