Leserstimme zu
Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat'

Die risikoreiche Suche nach der Wahrheit

Von: Karthause
14.07.2015

Von Ihnen verfasste veröffentlichte Rezensionen Anzeigen: Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20 pixel Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat' Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat' von Jürgen Todenhöfer Gebundene Ausgabe Preis: EUR 17,99 4.0 von 5 Sternen Die risikoreiche Suche nach der Wahrheit, 14. Juli 2015 Rezension bezieht sich auf: Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat' (Gebundene Ausgabe) „Inside IS“ liegt eine 10-tägige Reise mitten in das Kriegsgebiet und damit ins Herz des “Isalamischen Staates” zugrunde. Dieser Reise wurde akribisch vorbereitet und geplant, es wurden stundenlange Gespräche via Skype mit IS-Kämpfern geführt. Trotz seiner bekannt kritischen Meinung zum IS wurde ihm der Besuch im Kriegsgebiet gestattet und eine Sicherheitsgarantie ausgestellt. Dennoch war diese Reise alles andere als eine gewöhnliche Recherchereise, Tödenhöfer und seine Begleiter begaben sich in Lebensgefahr und auch der Kontakt zur Außenwelt brach für den Großteil des Aufenthalts ab. Die vom IS veröffentlichten Videos von getöteten westlichen Journalisten sind immer unterschwellig parat. Schon bei den im Buch wiedergegebenen Protokollen der mittels Skype geführten Gespräche mit dem deutschen IS-Kämpfer wurde deutlich, dass es DIE Wahrheit nicht geben wird. Beide Seiten haben ihre Ansichten, die an sich unvereinbar sind. So kommt es immer wieder zu Redundanzen, da die konträren Standpunkte beider gebetsmühlenartig wiederholt und nicht wirklich diskutiert werden. So wird seitens des IS versucht, das Leben innerhalb ihres Einflussbereiches als vollkommen normal zu beschreiben. Der Grund der Einladung Jürgen Todenhöfers sei: " … weil man zeigen wollte, dass der „Islamische Staat“ nicht nur Staat heiße, sondern auch Staat sei. Dass es hier ein ganz normales Leben gebe. Dass Verletzte und Kranke gut behandelt werden. Dass der Staat sich um die Armen kümmere. Dass man bei Gericht sein Recht bekomme. „Die Menschen fühlen sich bei uns sicher. Auch wenn manche uns nicht mögen, mögen sie unsere Sicherheit. Wir wollten Ihnen einfach zeigen, wie wir leben. Und dass man mit der Sharia leben kann und dass sie funktioniert“." (Aus einem Gespräch mit Abu Loth S. 263/264) So habe ich dieses Buch mit viel Interesse gelesen. Trotzdem lege ich es mit etwas zwiegespaltenen Gefühlen zur Seite. Mir sind jetzt zwar der Standpunkt des Westens und die Ziele des IS hinlänglich bekannt. Aber mir fehlt ein wenig die globale Sicht der Dinge. Es wird zwar mehrfach betont, dass in dem „Islamischen Staat“, jeder seiner Religion ausleben könne, sofern er Jizya (eine Art Schutzgeld) bezahlt und nicht missioniert. Die Bedrohung, die der IS aber insbesondere für Israel darstellt, vor dessen Haustür der gegenwärtige Kampf tobt, wurde nach meinem Empfinden nicht ausreichend dargestellt. Außerdem wird mit diesem Buch dem IS eine Plattform geboten, sich zu erklären. Das finde ich ja eigentlich auch sehr informativ, besonders weil Jürgen Todenhöfer immer wieder unsere westlichen Werte dagegensetzt. Trotzdem bleibt ein etwas fragwürdiger Eindruck bei mir zurück und die Frage, hat es sich unter dem Strich für Jürgen Todenhöfer und seinen Sohn wirklich gelohnt, ein solches Risiko einzugehen.