Leserstimme zu
Das Dunkel der Seele

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Wer auf Fantasy Geschichten mit einem Hauch Romantik und eine gute Portion Gruselfaktor steht, wird von Aimee Agrestis »Das Dunkel der Seele« begeistert sein.

Von: Sarah Rawrpunx
16.07.2015

Der Schreibstil von Aimee Agresti ist sehr detailreich, sie beschreibt sehr gerne und lässt damit schöne Vorstellungen im Kopf des Lesers entstehen. Ein spektakuläres Hotel mit dem Flair der 20er Jahre - Al Capone lässt grüßen.. Besonders fasziniert hat mich der Gedanke an das nachgestellte Alcatraz in Form einer Dinnershow und der Club Tresor, indem man seine Gäste wie Schätze einsperrt um im inneren eine riesen Party zu feiern. Inklusive den Mitarbeitern, genannt das Syndikat, die alle aussehen als wären sie Supermodels aber leider so kalt wie Eis sind. »Das ist hier wie eine Reality Show: Sperr einen Haufen umwerfender Typen zusammen und sorg für Alkohol und einen Nachtclub in unittelbarer Nähe, das ganze Programm eben. Das würde doch der menschlichen Natur völlig widersprechen, wenn die nicht aufeinander anspringen würden.« Haven ist eine richtige Streberin im positiven Sinne, sie lernt ständig und lässt dafür auch so manches Wochenende draufgehen. Ihr einziger guter Freund ist Dante, den sie im Krankenhaus kennengelernt hat. Sie hat sich schon früh ein hohes Ziel gesteckt, sie möchte Ärztin werden und somit einiges neu aufrollen und verändern. Ihre Adoptivmutter Joan ist ihr in dieser Hinsicht ein großes Vorbild, sie ist zwar ein Workaholic, bekommt aber Familie und Arbeit sehr gut unter einem Hut. Anfangs war Haven sehr schüchtern, sie durchlebte aber eine stetige Verbesserung im Laufe des Buches und wurde vom grauen Mäuschen zu einer selbstbewussten Frau. Sie hat sich dennoch leider sehr oft selbst runtergezogen, so dass man sie am liebsten einmal durchgeschüttelt hätte.. Besonders im Umgang mit Lucian wurde sie zu einem stotternden Groupie, was sich aber gottseidank änderte. Dieser Wandel war aber so schleichend, das er nicht gezwungen wirkte, sondern ganz einfach glaubhaft. Lucian wirkte aalglatt. Er ist wahnsinnig selbstbewusst und auch ein wenig selbstverliebt. Er weiß sein Äußeres richtig einzusetzen und lässt seinen Charme gekonnt spielen. Er versucht Haven zu umgarnen, was ihm auch gelingt, aber immer nur bis zu einer gewissen Grenze. Haven merkt, dass hinter der schönen Maske noch etwas anderes stecken muss.. Lucian wurde mir erst gegen Mitte des Buches ein wenig sympathisch, man merkt leider sehr schnell seine Hintergedanken. Dennoch habe ich ihm eine zweite Chance gegeben und es gab eine berührende Szene zwischen Haven und Lucian die mich meinen Entschluss, Lucian zu mögen nicht bereuen lies. Kommen wir zu Lance.. Normalerweise, bin ich eher der Fan von Bad Boys, in diesem Fall hat mich aber Lance überzeugt endlich mal dem "Jungen von nebenan" eine Chance zu geben. Lance ist der Traum aller Schwiegermütter, intelligent, liebevoll, einfühlsam und loyal. Er ist weder ein Frauenverführer noch ein Draufgänger und dennoch hat er mit all seinen kleinen Macken bei mir gepunktet. Ich hätte ihn gerne in der Rolle des Freundes von Haven gesehen.. aber wer weiß.. ;-) »Dieses Mal sprachen wir kaum ein Wort, wurden aber von unserer ganz eigenen, gemütlichen Form von Stille umfangen. Ich fand, dass man eine Freundschaft ganz gut danach beurteilen konnte, wie angenehm das Schweigen mit diesem Menschen war. Denn in diesem Moment war man völlig man selbst.« Dante ist leider ein wandelndes Klischee. Schwul, modebewusst, überdurchschnittlich-intelligent und liebt es zu Kochen, seine Leidenschaft besteht darin sich um seine Freunde zu kümmern. Und dieses kleine Bündel an sovielen Klischees muss man einfach mögen. Dante ist ein Wirbelwind und verdient das Prädikat Bester Freund ohne Einschränkungen. Er baut Haven immer wieder auf und gibt ihr die unmöglichsten (aber gut gemeinten) Ratschläge, die sie, zwar selten beherzigt, aber immer aufbauen. Leider hat Dante kein Glück bei Jungs - ich hoffe das wird sich im zweiten Band ändern. Natürlich ist die Story nicht neu, und ja, auch Klischees werden hier verarbeitet, aber dennoch ist »Das Dunkel der Seele« empfehlenswert. Die Autorin hat einige gute Ideen umgesetzt und auch viele Überraschungsmomente miteingebaut. Das Ende war für mich so nicht vorhersehbar und ich fand das hier der romantische Anteil nicht Überhand nahm, was dem ganzen nocheinmal einen richtigen Schub gab, da man immer darauf hin fieberte, wann die beiden es denn nun endlich merken.. Wer auf Fantasy Geschichten mit einem Hauch Romantik und eine gute Portion Gruselfaktor steht, wird von Aimee Agrestis »Das Dunkel der Seele« begeistert sein. Das Buch endet ohne fiesen Cliffhanger und man könnte es als abgeschlossen bezeichnen, aber ich wäre verrückt mir den zweiten Band entgehen zu lassen! Es war mir ein teuflisches Vergnügen, so eine himmlische Geschichte zu lesen. ;-) Ich vergebe verdiente 4,5 / 5 Rawr's.