Leserstimme zu
Die Springflut

Packender Krimi aus Schweden

Von: Miri Buchfreak
01.08.2015

Action: ●● Spannung: ●● Humor: ●● Charaktere: ●●● Anspruch: ●● Erotik: Inhalt: Am Strand der Insel Nordkoster ereignet sich im Sommer 1987 eine Springflut - und mit ihr ein grausamer Mord. Eine schwangere Frau ertrinkt; ihr Körper bis auf den Kopf im Sand vergraben. Die Ermittlungen kommen nur schleppend voran, besonders, da weder die Identität des Opfers, noch ein Motiv, nicht geklärt werden können. Der Fall wird schließlich zu den Akten gelegt, bis die Polizeischülerin Olivia Rönning 23 Jahre später auf den Fall stößt, in der auch ihr verstorbener Vater ermittelte. Sie versucht, die Ermittlungen für eine Hausarbeit noch einmal nachzuvollziehen und Lücken zu finden, die den Fall möglicherweise doch noch aufklären können. Meinung: Es ist kein Geheimnis, dass ich viele schwedische Krimis liebe - zum einen, weil ich sowieso einen Hang zu Schweden habe, zum anderen aber auch, weil in schwedischen Krimis oft auch gesellschaftliche Probleme und eine allgemeine Gesellschaftskritik zur Sprache kommen. Natürlich sind schwedische Krimis häufig auch besonders brutal, aber das war bei mir nie der Hauptgrund, einen solchen "Schwedenkrimi" zu lesen. Und der aktuelle Trend dieser Sparte, dass skandinavische Krimis für eine besondere Brutalität und Blutrünstigkeit stehen, ohne eine dahinterstehende Kritik zu besitzen, hat mich ehrlich ein bisschen genervt. Nun habe ich zu "Die Springflut" gegriffen, weil die Geschichte in Stockholm spielt und weil das Autorenduo auch viele Drehbücher der "Kommissar-Beck"-Filme geschrieben hat. (Kleiner Tipp für alle, die diese Filme nicht gesehen haben: Die vereinen die oben genannten Punkte. Sie sind oft unglaublich brutal, sprechen aber eben auch gesellschaftskritische Themen an.) Meine Erwartungen waren also eher hoch. Ich wollte endlich mal wieder einen solchen 'typischen' Schwedenkrimi in die Hände bekommen. Und ich muss sagen, ich bin nicht enttäuscht worden. In "Die Springflut" stehen zwei Protagonisten im Vordergrund: Die angehende Polizistin Olivia Rönning, die einen ungeklärten Mordfall wieder aufrollt und den ehemaligen Ermittler Tom Stilton, der damals die Ermittlungen leitete. Beide sind sehr gegensätzliche Figuren, die ein spannendes Team bilden. Auch der Fall entwickelt sich spannend. Er ist - wie in dem Genre zu erwarten - auch sehr brutal, es werden jedoch eine Menge Haupt- und Nebenstränge der Handlung ineinander verwoben und jede Menge Plottwists bringen immer wieder Wendungen und Überraschungen, mit denen ich als Leser nicht gerechnet hätte. Außerdem ist dies, gerade was die Charakterentwicklung betrifft ein sehr guter erster Band, der den Protagonisten jede Menge Raum für weitere Entwicklungen lässt und teilweise auch aufzwingt, weshalb ich schon wirklich gespannt auf den zweiten Teil bin, ohne dass es am Ende des Buches einen Cliffhanger gab. Ich denke, dass jeder Fan von Kriminalliteratur zu diesem Buch greifen kann - ganz besonders natürlich diejenigen, die (wie ich) besonders schwedische oder skandinavische Krimis lieben; egal aus welchen Gründen, denn diese Handlung bringt sowohl einen brutalen Mordfall, als auch eine Ermittlungsarbeit, die immer wieder auf kritische Themen stößt. Somit sollten sowohl Liebhaber der "Millenium"-Reihe auf ihre Kosten kommen, als auch Fans der "Sonderdezernat-Q"-Reihe, mit der ich ja leider gar nichts anfangen konnte (insbesondere, da ja auch in diesem Buch ein alter, niemals aufgelöster "Cold Case" im Mittelpunkt steht).