Leserstimme zu
Die Widerspenstigkeit des Glücks

Sachlich-Emotionales Buch über Bücher und das Leben

Von: Julia Hillebrandt
12.08.2015

Im Original ist der Roman von Gabrielle Zevin unter dem Titel The storied Life of A. J. Fikry (übersetzt: Das erzählte Leben des A. J. Fikry) erschienen. Im Nachhinein erscheint mir der Originaltitel als passender, wenngleich Die Widerspenstigkeit des Glücks gut gewählt ist. Einer meiner Lieblingsfilme ist Alex und Emma, der mich auch beim fünfunddreißigsten Mal noch mit seinem Ton und seiner Erzählweise besticht. Für diejenigen, die sich ein Bild davon machen möchten, verlinke ich den Trailer. Warum ich jetzt davon anfange? Weil der Schreibstil von Gabrielle Zevin sehr dem Erzählstil von Alex im Film ähnelt. Ich hatte von Anfang an beim Lesen seine Stimme im Kopf, die vorliest, Wort für Wort setzt und eine wunderbare Geschichte etwas sachlich-distanziert erzählt. Die Geschichten selbst, Film und Buch, gleichen sich nicht, ähneln sich nicht einmal. Aber es geht mir um den Tonfall. Die Widerspenstigkeit des Glücks ist die Geschichte eines Buchhändlers, der das Glück verloren glaubt und dann ein kleines Mädchen in seiner Buchhandlung findet. Trotz seiner eigentlich eher schroffen Art baut er eine Beziehung zu dem Kind auf und nimmt sich seiner an. Oder vielleicht ist es auch das Mädchen, das sich des Mannes annimmt. In jedem Fall besticht die Erzählung auf ihren 288 Seiten mit ihrer Einfühlsamkeit und den außergewöhnlichen Charakteren. A. J. Finkry ist mit Leib und Seele Leser, er liebt die Worte und die Seele, die manchmal in Büchern wohnt. Zu Menschen hat er kein so gutes Verhältnis, vor allem, wenn sie nicht lesen. Seine Tochter Maya ist ein außergewöhnliches Mädchen, die dem Leser viel Identifikationspotential bietet. Und last but not least gibt es da Amelia, eine Verlagsvertreterin. Mit ihrem eigenwilligen Kleidungsstil und ihrer ebenso eigenwilligen Art hat sie mich schnell für sich eingenommen. A. J.'s Geschichte wird immer wieder unterbrochen von seinen Gedanken zu Kurzgeschichten, die er in Briefform festhält. Er bringt sie in Bezug zu seinem Leben und dem, was ihm wichtig ist, und so erfährt man nicht nur etwas über den Buchhändler, sondern auch über literarische Werke. Mich persönlich hat das Buch sehr angesprochen, da im Buch auch immer wieder Bezug zur Literatur oder zu Erzählstilen genommen wird. Es verleitet dazu, noch mehr zu lesen, um die literarische Lebensreise von A. J. verfolgen zu können. Leider hatte ich keinen Zugriff auf die genannten Kurzgeschichten, habe mir aber fest vorgenommen, sie zeitnah zu lesen oder spätestens bis zu einem zweiten Lesedurchgang von Gabrielle Zevins Werk greifbar zu haben. Die Widerspenstigkeit des Glücks ist berührend und wunderbar erzählt. Da mir diese Art sehr liegt, vergebe ich volle fünf von fünf Gedankenschnörkeln. Ich rate aber jedem, der nicht sicher ist, ob ihm der eher sachliche Stil liegt, zunächst einmal den Trailer von Alex und Emma zu sehen.