Leserstimme zu
Die Magie der kleinen Dinge

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Flüssig zu lesen, bildgewaltig und fesselnd

Von: stephienchen
17.08.2015

Inhalt: Der Roman spielt im 17. Jahrhundert in Amsterdam. Die junge Nella wird von ihrer Familie mit dem viel älteren, wohlhabenden Kaufmann Johannes Brandt verheiratet. Nella verlässt ihre Familie in der holländischen Provinz und erhofft sich ein neues, spannendes Leben im Hause ihres Gatten. Jedoch fällt schon bei ihrer Ankunft ein Schatten auf ihre Erwartungen: Der Ehemann ist nicht da, die Schwägerin lässt keinen Zweifel daran, wer die Herrin des Hauses ist und die zwei Dienstboten begegnen ihr mit unbekannter Aufmüpfigkeit. Sie muss sogar ihren geliebten Wellensittich abgeben und darf ihn nicht mit in das ihr zugeteilte Zimmer nehmen. Ihre Situation ändert sich erst, als Johannes ihr ein Hochzeitsgeschenk präsentiert, mit dem sie zunächst nichts anfangen kann: ein schrankgroßes Puppenhaus – eine naturgetreue Abbildung ihres neuen Heims. Um die Räume zu füllen wendet sich Nella an eine Miniaturistin und jetzt wird es mysteriös, denn die Künstlerin schickt nicht nur die gewünschten Einrichtungsgegenstände, sondern auch Abbildungen der darin wohnenden oder mit dem Haus verbundenen Lebewesen. Diese weisen auf Geheimnisse der Familie oder gar zukünftige Ereignisse hin. Ist die Miniaturistin eine Prophetin oder woher kennt sie Vergangenheit und Zukunft der Familie? Rezension: Mehr sei hier zum Inhalt nicht verraten, denn die Geschichte ist neben Familiendrama, Mysterienroman und Entwicklungsgeschichte auch ein kleiner Krimi. Flüssig, bildgewaltig und fesselnd erzählt die Autorin über einen Zeitraum von nur drei Monaten aus dem leben eines jungen Mädchens (Nella ist 18 als sie verheiratet wird), das durch die Ereignisse zu einer Frau reift, die weiß, was sie will und kann. Eingebettet ist die Geschichte in das historische Leben in Amsterdam, das geprägt war von Calvinistischer Strenge und wie die Menschen ein Leben führen „in einem unsichtbaren Käfig, dessen Gitterstäbe aus tödlicher Heuchelei bestehen“. Das Buch beginnt mit einem Prolog, der etwas mühsam ist, da es keinerlei Nehmen enthält und sich erst nach der Lektüre des Buches erschließt. Dann kommt der Roman langsam in Gang mit ganz leisen Tönen, die aber nach einem Drittel ganz laut vielschichtig und spannend ertönen. Ab da konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, mehr noch, ich tauchte durch die bildhafte Sprache total in die Welt der Protagonisten ein und meinte fast, selbst in der historischen Herrengracht in Amsterdam, in der Nella wohnt, zu weilen.