Leserstimme zu
Alles muss versteckt sein

böser Kobold im Kopf - ein Psychothriller

Von: Kasin
17.08.2015

Sprachlos habe ich dieses Buch beendet, nicht etwa weil mir nichts dazu einfiel, sondern weil es so ein ernsthaftes Thema auf diese besondere Weise rübergebracht hat. Mein Kopf war so voll mit diesen ganzen (zum Teil) neuen Eindrücken, Informationen und eben einer großartig erzählten Geschichte. "Alles muss versteckt sein" von Autorin Wiebke Lorenz, als Taschenbuch erschienen im Diana Verlag (zur Random House Verlagsgruppe gehörend) hat mich auf allen 349 Seiten geflasht! Erstmal zur Story: Marie ging es so gut, war mit sich und ihrem Leben rund herum zufrieden. Toller Ehemann, angesehen im Beruf als Erzieherin und mit einer wunderbaren kleinen Tochter gesegnet. Doch dann hat das Schicksal zugeschlagen. Ein Trauma bleibt Marie übrig, mehr nicht.  Ein Trauma das etwas in ihrem Kopf auslöst, was sie selbst nicht versteht und von dem sie versucht es nicht, niemals, an die Oberfläche zu lassen - Zwangsgedanken.  Perfide und perverse Tagträume, kurze Flashs von Mord und Totschlag. Marie findet Hilfe, doch etwas läuft schief und dann geschieht genau dass vor dem sie sich fürchtete. Marie erwacht neben einem Mann, in seinem Blut, mit einem Messer in ihrer Hand. Ein Psychothriller, der diese Bezeichnung zu Recht verdient und stellenweise sehr heftig in der Beschreibung eben dieser Zwangsgedanken ist. Damit kann nicht jeder umgehen und auch ich dachte "zum Glück ist diese Geschichte fiktiv". Aber nur so läßt es sich verstehen, was in Marie vorgeht, was ihr Verhalten, ihr Abkapseln und ihre unendliche Traurigkeit ausmacht. Die Autorin beginnt langsam mit Marie in der Forensischen Psychatrie. Die Gedanken und Emotionen von Marie, das Verhalten der anderen Mitpatienten und der tägliche Ablauf dort sind auf eine beeindruckende aber auch erschreckende Weise wiedergegeben. Wiebke Lorenz erzählt und sie läßt Marie erzählen in den Gesprächen mit ihrem Arzt. Alles kommt zum Vorschein, nach und nach erfahren die LeserInnen mehr über Maries Leben und warum sie dort landete, in diesem Irrenhaus und man will oder kann gar nicht anders als weiterzulesen. Denn die Abgründe, dieses seelische Leiden und die psychologischen Folgen verlangen nach Aufklärung. Heilung oder wenigstens Besserung, ein hoffen auf eine 'normale' Zukunft scheinen für Marie so unendlich entfernt zu sein. Bis sie endlich realisiert 'Denken ist nicht tun!". So entwickelten sich im Laufe des Buches die Widersprüche zu Maris Schuld. Ein abgekatertes Spiel? Zu welchem Zweck? Und vor allem, wer muss bitterböse dafür bezahlen? Diese Geschichte ist auf eine reale Krankheit ausgelegt und die Autorin hat die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten in die Geschichte integriert ohne das es zu einem medizinischem Fachbuch ausartete. Toll dargestellte Protagonisten, auch die Unsympathischen und eine Geschichte die ohne Action auskommt aber gewaltig an den Nerven zerrt. Dafür vergebe ich 5 von 5 Sternen.  c ) K.B. 08/2015