Leserstimme zu
Glühende Dunkelheit

Lady Alexia schlägt ein - und auch mal zu

Von: nef
19.08.2015

Inhalt: London im 18. Jahrhundert: Die nicht mehr ganz so junge Alexia Tabotti ist als älteste Tochter der Familie beinahe vom Heiratsmarkt ausgeschlossen. Sehr zur Schande ihrer Mutter, versucht diese nun wenigstens die beiden jüngeren Damen des Hauses unter die Haube zu bringen. Da Alexis den Schönheitsidealen ? blasse Haut, schlank und leicht dümmlich ? mit ihrer italienischen Herkunft nicht entspricht, ist sie als Anstandsdame abgestellt worden. Auf einem weiteren sehr ermüdenden Tanzabend zieht sie sich in die Bibliothek des Gasthauses zurück um ein wenig Ruhe zu finden. Dummerweise hat sich ein Vampir in die Räumlichkeiten geschlichen und glaubt in der einsamen Dame einen leckeren Imbiss gefunden zu haben. Alexis gehört zwar nicht zu den Übernatürlichen, wie Vampire und Werwölfe allgemein betitelt werden, die sich in die Londoner Gesellschaft eingliedern, aber normal menschlich ist sie deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil ? sie ist außernatürlich, was soviel bedeutet wie 'seelenlos'. Jeder Vampir, der ihren schönen Hals als Nahrungsquelle in Betracht zieht, wird sich kurz nach der Berührung ihrer Person in einen ganz normalen Menschen verwandeln ? solange der Kontakt anhält. Der nun sehr hungrig wirkende Anwesende scheint sie jedoch nicht zu kennen, was ihr klar macht, dass er nicht bei BUR (Bureau of Unnaturl Registry) registriert ist und somit keinem ansässigen Stock angehört. Ein Schwärmer in London? Zudem ein solch unerfahrener? Das gibt Alexis zu denken. Leider lässt er nicht von ihr ab und am Ende des Kampfes liegt er mit einer Haarnadel gepfählt auf dem Boden. Die rasch eintreffende Hilfe Lord Maccons erspart ihr viele Unannehmlichkeiten, auch wenn sie und der Lord auf Kriegsfuß stehen und bei jedem Aufeinandertreffen viele weniger freundlich gemeinte Worte fliegen. Erstaunlicherweise begibt es sich, dass die Treffen häufiger werden und die Auseinandersetzungen nicht nur wörtlicher natur sind. Meinung: Der erste Band um die seelenlose Alexis Tabotti von Gail Carriger entführt in das London des 18. Jahrhunderts. Der Sprachstil ist den Gepflogenheiten der Zeit angepasst worden und man fühlt sich ein wenig wie in einem Shakespeare-Stück. Die Geschichte ist an sich interessant. Vampire und Werwölfe werden in die Londoner Gesellschaft integriert und weniger stark gefürchtet als üblich. Trotzdessen sind Vampire immer noch Blutsauger erster Stunde und Werwölfe nicht nur flauschig, sondern häufiger reißende Bestien. Die erotischen Spannungen zwischen den zwei Hauptcharakteren steigern sich über das Buch verteilt und lassen den Leser etwas atemlos zurück. Mich hat an der Art des Buches allerdings ein wenig die fehlende Handlung der ersten 150 Seiten gestört. Zudem wird einfach zu oft darauf herumgeritten, das Lord Maccon ein Werwolf ist und Lady Tabotti eine alte Jungfer. Spätestens nach den ersten 20 Seiten weiß man dies und braucht es nicht nötigerweise alle 3 Seiten auf's Neue lesen. Dennoch ist die verspätet aufkommende Handlung spannungsgeladen und reizt mich auch die Folgebände 'Brennende Finsternis', 'Entflammte Nacht', 'Feurige Schatten' und 'Sengendes Zwielicht' zu lesen.