Leserstimme zu
Die Musik der Stille

Die Musik der Stille

Von: Lala.Universe
08.10.2015

Handlung Die Universität von Imre ist weithin bekannt für ihre Gelehrsamkeit. Die besten Köpfe zieht sie an, die Rätsel der Wissenschaft, des Handwerks und der Alchemie zu entschlüsseln. Aber tief unter dem lebendigen Treiben in ihren Hallen erstreckt sich ein Netz verlassener Räume und alter Gänge. Im Herz dieses höhlenartigen Labyrinths lebt das Mädchen Auri. Das „Unterding“ ist ihr Zuhause. Die kalte trügerische Rationalität der Menschen, die über ihr leben, hat sie hinter sich gelassen und dringt tief in das Geheimnis der Dinge ein. Eine Geschichte voll betörender Bilder und magischer Spuren, wie sie nur Patrick Rothfuss erzählen kann. Was ich dazu sage... Für mich, als Königsmörder Chronik Fan, war sofort klar: ich muss dieses Buch lesen! Als es erschienen ist, habe ich mir natürlich, wie alle anderen Fans auch, die Fortsetzung mit Kvothe erhofft. Patrick Rothfuss macht aber bereits auf den ersten Seiten des Buches deutlich, dass dies eine unabhängige Geschichte, zwar in der gleichen Welt spielend, ist. Speziell und ganz Patrick war die Einführung, in welcher er vom Kauf des Buches abriet. Tja, Patrick ist so wie er ist und seine Worte waren sicherlich ernst gemeint, wohlbemerkt nicht an alle gerichtet, aber an jene, die eine Geschichte in der Geschichte erwarten. Dazu später. Die anderen zwei Bücher von Patrick Rothfuss, Der Name des Windes und die Furcht des Weisen, liessen sich wie ein Gedicht lesen. Bei seinem dritten Werk wollte ich dann etwas Neues versuchen, also hören statt lesen. Normalerweise mache ich einen grossen Bogen um Hörbücher, da ich das Gefühl habe, der Geschichte nicht richtig folgen zu können. Trotzdem habe ich es mit Die Musik der Stille versucht. Ich hatte das Gefühl, dem Ganzen gewachsen zu sein, vielleicht, weil ich schon gelesen habe, dass es eine ganz spezielle Erzählung ist. Wie war es also? Patrick Rothfuss, du erstaunst mich immer wieder. Der Autor liefert uns keine Geschichte mit Plott oder vielen Handlungen, erwartet auch keine Spannung. Er führt uns lediglich, aus Auri's Perpektive, sieben Tage durch ihr Leben, sieben Tage in ihre verzwickte Gedankenwelt, sieben Tage in ein kleines Paradies. Von Beginn an taucht der Zuhörer im Unterding ein. Auri führt uns durch die verlassenen Räume und Gänge unter der Universität von Imre. Für die Protagonistin sind es aber nicht nur leere Räumlichkeiten, für sie sind die Dinge lebendig, sie haben einen Namen. Sie ist der Meinung, dass alle Gegenstände ihren Platz haben und fühlt sich bemächtigt, für Ordnung zu sorgen. Ihre spezielle Sichtweise auf die Welt hat mich ungemein fasziniert. Auri sieht alles anders, sie versucht in all ihren Taten gerecht zu sein. Sie nimmt sich nichts, ohne zu hinterfragen und macht sich Gedanken darüber, ob sie die Dinge braucht. Sie sieht Schönheit, wo wir sie längst vergessen haben. Leider gibt es auch die Kehrseite, denn manchmal hatte ich das Gefühl, eine ziemlich einsame Person kennenzulernen. In den ganzen 266 Minuten gibt es keinen Dialog, niemand der mit Auri redet. Meistens dachte ich, dass sie die Einsamkeit schätzt oder gar nicht wahr nimmt, da für sie auch Gegenstände lebendig sind. Trotzdem sickerten einige klare Momente durch, in denen sie sich [Achtung, reine Interpretation] nach Nähe und Geborgenheit eines anderen Menschen sehnte. Die Geschichte ist nicht durch und durch fröhlich oder traurig. Manchmal herrscht eine geradezu melancholische Stimmung, von welcher man im nächsten Moment wieder gar nichts spürt. Es ist sozusagen eine Achterbahn der Gefühle, auf die sich einige von uns nur allzu gerne einlassen werden, andere hingegen dankend ablehnen. Auri und ihr reines Wesen haben mich zutiefst berührt und werden noch lange einen Eindruck hinterlassen. Wie hört es sich an... Die Stimme von Yara Blümel ist beruhigend und schön anzuhören, sie redet eher langsam, sodass man als Zuhörer kein Problem hat nachzukommen. Manchmal war's für für mich ein wenig monoton, weshalb ich einen halben Punkt in der Gesamtbewertung abziehen musste. Fazit Wer eine Geschichte mit Spannung hören möchte, sollte sich Die Musik der Stille nicht zulegen, auch Patrick Rothfuss lehnt davon ab. Wer sich aber in einer poetischen Erzählung verlieren möchte, über ein so wunderbar spezielles Mädchen wie Auri, den lädt der Autor herzlich in das Unterding der Universität Imre ein. Lasst euch entführen in die Winkel, die uns Königsmörder Chronik Fans bisher verborgen blieben und inspiriert euch von Auri's Sicht der Dinge, so bewusst und rein, dass es mich manchmal zu Tränen gerührt hat. Ich vergebe 4.5/5 Sterne. [♥] Herzlichen Dank an den Verlag Randomhouse [Bloggerportal] für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.