Leserstimme zu
Die Blausteinkriege 1 - Das Erbe von Berun

Ein spannender Abenteuerroman

Von: Tanja
30.10.2015

Inhalt: Das Kaiserreich Berun hat seine besten Tage hinter sich. Ob primär innere Faktoren (z. B. strukturelle Probleme, Dekadenz, religiöse und soziale Umbrüche) oder der Druck durch äußere Angreifer und Separatisten für die Entwicklung verantwortlich zu machen sind, wer weiß es schon. Die Geschichte zeigt, dass alle Imperien irgendwann zerfallen. Das Kaiserreich sieht sich aktuell einer Verschwörung gegenüber. Es gibt die, die für den Erhalt des Reiches kämpfen und eine friedliche Transformation ins Werk setzen wollen sowie die, die es zu stürzen versuchen, um sich ihren Teil des „Kuchens“ zu sichern. Das Buch vereint nun gebrochene Helden, die vor diesem Hintergrund im verzweifelten Kampf um ihr Schicksal stehen. Der Auftragsmörder Messer, das Mädchen Sarah, mit der besonderen Gabe, der Puppenspieler Thoren, Danil und Marten. Alle geraten in diese Verstrickungen und sind bald Teil einer Geschichte, deren Verlauf und deren Ausgang keiner so genau zu erahnen vermag. Wichtigste Charaktere: Messer ist ein Auftragsmörder mit einem sehr merkwürdigen Geschmack, was Essen angeht. Sein optisches Erscheinungsbild sorgt dafür, dass man ihn den Vogelmann nennt. Seine Aufträge führt er ohne viel Aufhebens davon zu machen aus, schnell und präzise. Sarah ist ein kleines Mädchen. Sie kommt aus dem fernen Macouban. Nicht nur ihre dunkle Hautfarbe, auch ein Talent, was ihr zu eigen ist, zeichnet sie aus. Sarah ist mutig und charakterstark. Sie weiß sich durchzusetzen und in der harten Welt zu überleben. Henrey Thoren wird auch der Puppenspieler genannt. Er setzt sich für den Adel ein. Dadurch, dass er Sarah bei einer Diskussion mit dem örtlichen Bäcker beispringt und dafür sorgt, dass sie etwas zu essen erhält, erwärmt sich das Mädchen für ihn. Bei einen Auftrag kann sie ihn nicht in eine Falle locken, was dazu führt, dass die beiden fortan zusammenarbeiten. Danil und Marten sind sehr gute Freunde. Solange, bis sich ihre Wege durch einen Verrat voneinander trennen. Danil arbeitet weiter für die kaiserliche Krone und erwärmt sich für Sarah. Marten hingegen gerät in einen Twist, welcher ihm fast das Leben kostet. Sein Ausweg besteht darin auf ein Schiff zu steigen und die Reise in eine ferne Provinz anzutreten. Aufmachung: Das Buch enthält vorne eine schön gezeichnete farbige Karte, auf der der Leser sich schnell einen Überblick verschaffen kann, wo sich die Helden gerade befinden. Weiterhin findet man im hinteren Teil ein Personenverzeichnis, was bei der Vielzahl der Charaktere sehr hilfreich sein wird. Welt: Der Leser befindet sich in einer altertümlichen Welt, in der es Spinnen gibt, deren Netze aus Fäden gewoben sind, die einem unachtsamen Wanderer direkt den Körper aufschlitzen können. Zudem legen diese Insekten Eier im Körper eines Menschen ab. Es gibt hier Skellinge – möwenartige Vögel mit rasiermesserscharfen Zähnen, die sich unter anderem von Seehunds- und Menschenkadavern ernähren. Immer wieder wird der Blaustein erwähnt, der zwar seltener als Gold sein soll, aber dennoch oft im Besitz der Charaktere auftaucht. Seine Wirkung ist berauschend. Schreibstil: Die Autoren pflegen einen sehr plastischen und spannenden Schreibstil. Sie stürzen ihre Charaktere immer wieder in Gefahren und bauen die Handlung sehr gemächlich auf. Die Charaktere entsprechen keinem gängigen Klischee. Sie sind teilweise richtig übel und hässlich, mit anderen Worten: glaubwürdig. Alle müssen sich in dieser harten Welt durchsetzen. Es gibt etwa fünf (Lebrec, Sarah, Marten, Danil und Messer) Charaktere aus deren Sicht die Geschehnisse in den Kapiteln beschrieben werden. Die vielen weiteren Charaktere kann man aufgrund des Personenverzeichnisses noch zuordnen. Auf den Seiten bildet sich gemächlich ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Schicksalen heraus. Der Handlungsstrang bleibt somit auf längere Zeit wage, jedoch ahnt man bald, dass es eine große Verschwörung im Gange ist und sich langsam aber sicher ein Krieg anbahnt. Fazit: Die Gebrüder Orgel haben mit ihrem Roman „Die Blausteinkriege“ einen sehr spannenden Roman verfasst, bei dem man sich auf jeder Seite wie in einem großen Abenteuer vorkommt. Die Charaktere sind zumeist kleine Spielbälle, die in das Geschehen hineingeraten. Im Hintergrund bahnt sich ein Krieg an. Viele Seiten über denkt man als Leser, man befände sich in dem individuellen Überlebenskampf jedes einzelnen und stellt dann irgendwann fest, dass alles auf das große Ganze hinausläuft, dass politische Geschehnisse eine Rolle spielen und eine große Verschwörung im Gange ist. Sehr gut geschrieben und sehr spannend. Ich empfehle den Roman Fantasylesern, die nicht unbedingt eine Liebesgeschichte in ihrer Lektüre brauchen, viele Perspektivwechsel nicht scheuen und gerne in einem actionreichen Abenteuer unterwegs sind. Buchzitate: Dornik spuckte auf den Boden. „Ich habe keine Angst vor dem Tod.“ - „Das glaube ich dir sogar, Dornik. Der Tod ist dein Freund. Aber der Weg dorthin – den solltest du fürchten.“ „Warum suchst du nach einem Gesicht? Unzufrieden mit deinem eigenen? Kann ich verstehen.“ „Also?“, hakte Danil nach. „Irgendeine schlaue Idee?“ Marten betrachtete den Stapel der Fässer, der in den nächtlichen Regen aufragte. „Nein. Aber vielleicht eine bescheuerte.“