Leserstimme zu
My Dear Sherlock - Wie alles begann

Ein ganz neuer Sherlock Holmes

Von: Meggie
30.10.2015

"Ich begriff, dass ich diesen Jungen wahrscheinlich mein Leben lang lieben würde. Aber ich wusste auch, dass ich ihm nie, niemals verzeihen würde." Als das 17-jährige Genie Sherlock auf die 16-jährige Jamie Moriarty trifft , ist er fasziniert von ihrem Scharfsinn und ihrem Witz. Zwei Seelenverwandte haben sich gefunden – und als kurz nach ihrer ersten Begegnung im Regentspark ein schauerlicher Mord geschieht, dessen Opfer in der Jugend mit Moriartys verstorbener Mutter befreundet war, begibt sich das Mädchen auf die Suche nach dem Täter. Sherlock immer an ihrer Seite werden sie beide tief hineingezogen in die Vergangenheit von Moriartys Familie und decken ein schreckliches Geheimnis auf. Zugleich gerät Moriarty immer mehr in den Sog ihrer Gefühle. Sie will Sherlock vertrauen und bei ihm bleiben, fühlt sie sich bei ihm schließlich sicher, doch sie kann ihm unmöglich vertrauen, denn wenn sie ganze Wahrheit ans Licht käme, dann wäre ihr Leben und auch das ihrer Brüder nie wieder das gleiche. Wer liebt Sherlock Holmes nicht? Spätestens seit der Serienadaption der BBC mit Benedict Cumberbatch und Martin Freemann ist klar, Sherlock Holmes, das geht auch in der Moderne noch sehr gut. Entsprechend war mein Interesse bei diesem Titel natürlich direkt geweckt. Einen Moment habe ich gestutzt. "Die Jamie Moriarty"? Ein Mädchen? Zuerst hat sich da alles in mir blockiert, doch auf der anderen Seite zeigt die Serie "Elementary", dass auch eine solche Kombination nicht am eigentlich Witz eines Sherlock Holmes rüttelt. Also habe ich es gewagt und das Buch gelesen. Gelesen ist allerdings nicht ganz richtig. Ich habe es verschlungen. Das Cover mutet modern und zugleich doch traditionell an. Es ist gleich zu erkennen, dass Sherlock sein Markenzeichen schon hat, doch allein vom Cover her hat mich das Buch leider nicht angesprochen, was ja aber nichts über den Inhalt zwischen dem Einband aussagt. Die Geschichte wird aus Sicht von Jamie Moriarty erzählt. Ein sechzehnjähriges Mädchen, das mit drei jüngeren Brüdern aufwächst. Ihre Mutter ist vor einem halben Jahr gestorben und seitdem ist ihr Vater, der Polizist ist, nicht mehr derselbe. Sie muss ihre Brüder vor ihm beschützen, die oftmals Schläge einstecken. Helfen tut den vier Kindern keiner, zumindest nicht, bis Mori in der Schule auf Sherlock trifft und die beiden gleich spüren, dass sie ähnlich schnell denken und Schlüsse ziehen können. Dabei haftet Mori nach und nach immer mehr die Freude an den düsteren Verbrechen und der Macht an, die man als intelligente Person über andere haben kann. Sherlock hingegen besitzt seinen ganz üblichen Charme, der ihn, zusammen mit seiner absoluten Unfähigkeit Gefühle einfach zu offenbaren, zu einem der tollsten Charaktere im Buch macht. Sogar sein Bruder Mycroft ist irgendwie ganz typisch seltsam, während Watson und Mrs. Hudson eher am Rande auftreten. Obwohl recht schnell klar ist, dass Mori und Sherlock Gefühle für einander entwickeln und die typische Jugendbuch Romanze bilden werden, schafft Heather Petty es durch die Mordfälle, die vor allem Mori immer mehr persönlich betreffen, eine durch und durch spannende Geschichte zu erzeugen. Selbst als klar ist wer letztlich der Mörder ist, bleibt die Spannung bestehen und der Leser fragt sich: Wie wird die Protagonistin nun verfahren? Selbst wenn es mehr um das Lösen des Falls und die immer wieder eingeschobenen romantischen Anwandlungen der Protagonisten geht, werden Szenen emotionaler Tiefe erzeugt. Es sterben Menschen, die Mori nicht egal sind und das kann die Autorin sehr gut vermitteln. Die Liebesszenen fand ich zwar zwischenzeitlich etwas platt und einfach, aber dafür war ihr Leid, ihre Wut und auch ihre aufkeimende Liebe zur Macht deutlich spürbar. Der Schreibstil der Autorin ist modern und passt zur Situation und den Gegebenheiten. Die wörtliche Rrede wirkt nie eingeschoben, sondern fließt in den restlichen Text sehr schön ein. Auch die kurze Szenerie, in der sich Mori mit einigen Jugendlichen anlegt, wirkt nicht wie so oft aufgesetzt und so, als würde die Autorin nur versuchen heutige Jugendsprache nachzuahmen. Sicher ist dies in der deutschen Version auch der Übersetzerin zu Gute zu halten. Heather Petty ist es gelungen mich voll und ganz zu überzeugen. Die Geschichte ist stimmig, kommt nicht ins stocken und bietet dabei zwei starke, liebenswerte und zuweilen situationsbedingt komische Charaktere, die dem Leser sicher bekannt sind, aber die er ganz sicher noch nie so erlebt hat. Rundum ein gelungenes Konzept, das nicht nur Sherlock Holmes Fans fesseln wird. Aussehen: ♥♥♥ Charaktere: ♥♥♥♥♥ Spannung: ♥♥♥♥♥ Schlüssigkeit: ♥♥♥♥ Emotionale Tiefe: ♥♥♥♥ Schreibstil: ♥♥♥♥♥