Leserstimme zu
Winterküsse im Schnee

Von harten Geschäften zu echten Gefühlen

Von: Jil Aimée
24.11.2015

In ‚Winterküsse im Schnee‘ begegnen wir der taffen Businessfrau und Hedgefonds-Managerin Allegra, der es in ihrem bisherigen Leben mehr als fremd war, sich fallen zu lassen und zu genießen und mal nicht nachzudenken. Ihr Metier ist das knallharte Geschäft und der Kampf um das Bestehen in einer Männerdomäne des britischen Finanzsektors. Durch enorme Leistung hat sie sich an die Spitze katapultiert und nun Aussicht auf einen Riesendeal, der ihre Karriere und ihren Ruf absichern könnte. Ihr gegenüber steht ihre Schwester Isobel. Die Hübsche der Familie und der ganze Sonnenschein dieser. Allegra empfindet sich selbst nicht als schön, lernt dies aber im Fortgang der Geschichte. Ebenso wie, dass es mehr in dieser Welt als beruflichen Erfolg und kalte Geschäfte gibt und dass es sich manchmal lohnt, auf die Schwester zu hören. Denn Isobel hat sich bereits den Traum ihres eigenen Glücks mit einem liebenden Mann und einem zuckersüßen Sohn namens Ferdy erfüllt und hofft, dass auch Allegra dieses Weihnachten die wahre Liebe finden wird. Doch davon will die eisenharte Geschäftsfrau nichts wissen. Ihre Liebe und ihr Zuhause sind ihr Büro und das Jonglieren mit den Zahlen und Geldern der ganz Großen. Mehr braucht sie nicht, oder? Während eines Geschäftstermins fällt sie abends in die Arme des überaus charmanten Sam. Dieser vermag Dinge mit ihr anzustellen und Gefühle in ihr zu wecken, derer sie sich nie für fähig zu empfinden gehalten hätte. • Vermag er es vielleicht, die kalte Allegra zu erwärmen und Isobels Wunsch für diese zu erhören? Es fängt zunächst ganz vielsagend an, bis sich eben dieser Sam als ihr neuer Kollege und härtester Konkurrent um den großen Deal herausstellt. Ein Traum zerplatzt. Gefühlen sollte man nicht nachhängen. Ja genau so sieht Allegra sich - kalt und hart wie Beton. Wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, besinnt sie sich auf die für sie wichtigeren Dinge im Leben: Ihren Beruf und ihre Familie. Denn gerade bei Letzterem hat sie es alles andere als leicht. Ihre Mutter lebt - an Demenz und Alzheimer erkrankt – in betreutem Wohnen und erkennt ihre Töchter von Mal zu Mal seltener. Dann kommt plötzlich noch ein Anruf aus der Schweiz über den Fund einer Leiche, die mit Allegra und Isobel in Verbindung zu stehen scheint und die Schwestern auf eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit und in das verschneite, malerische Zermatt ruft. Eine Reise, die nicht nur coole Skiabenteuer und detektivisches Geheimnislüften in sich birgt, sondern auch Begegnungen auf den Plan ruft, die Allegra lieber vermieden hätte. Begegnungen, die den Fortgang ihrer Karriere, ihrer Fähigkeit zu lieben und ihres Lebens betreffen… • Um wen handelt es sich bei dem mysteriösen Leichenfund und besteht wirklich eine Verbindung zu den beiden Schwestern? • Von welchen unliebsamen und doch schicksalhaften Begegnungen ist hier die Rede? • Und wird es Allegra schaffen, sich gegen Sam zu behaupten oder verliert sie mehr an ihn als nur ihr Herz? • Wird er dieses wirklich brechen, um auf der Karriereleiter höher voranzuschreiten? Es bleibt spannend und ich kann Euch diesen Roman nur wärmstens empfehlen. ‚Winterküsse im Schnee‘ überrascht mit einem harten Familienschicksal im doppelten Sinn. Da wäre nicht nur die kranke Mom und eine Leiche, sondern auch das Glück der beiden Schwestern. Die Reise nach Zermatt ist dabei wie ein Ausflug in die eigene Vergangenheit und Zukunft zugleich und lehrt zumindest Allegra wieder, was es heißt zu vertrauen. Zwei Geschichten laufen parallel: Eine Familiengeschichte und mit ihr die Liebe zweier Menschen, die die Zeiten überdauert, sowie die Geschichte Allegras und ihrem Weg zur Liebe. Und dass es eben doch neben der Arbeit noch ein Zuhause geben kann. Mir ist bekannt, dass die Autorin gerne zur Weihnachtszeit veröffentlicht, doch dieser Roman ist mein erster von ihr und ich bin absolut begeistert. Doch zunächst einmal zum Einband des Romans, denn dieser verlangt ein besonderes Augenmerk. Das Cover an sich ist schon eine Augenweide, die die Aufmerksamkeit der Leser – na ja zumindest meine – anzieht. Es mutet in einem traumhaft winterlich weihnachtlichen Kleid an, hinter dessen schmucker Fassade sich das verschneite London befindet. Im Vordergrund steht eine junge Frau, die den Weg durch das glitzernde Schneegestöber sucht. Vielleicht sucht sie auch den Weg nach einer neuen Heimat oder zu sich selbst. Es verspricht, spannend und romantisch zugleich zu werden. Einfach ein sehr gelungenes Cover, das direkt auffällt, anspricht und Neugierde auf die Geschichte dahinter weckt. Der Roman selbst startet mit einem Prolog über ein grauenhaftes Unglück, das mehr als 60 Jahre zurückliegt und den Leser direkt in den Sog einer geheimnisvollen Geschichte zieht. Normalerweise bin ich bekanntlich kein Fan von Prologen, doch dieser ist mehr als gelungen und bietet dem romantischen Cover zum Kontrast direkt den Auftakt des Spannungsbogens der Geschichte. Es gilt innerhalb der Geschichte, diese Vergangenheit aufzuklären und ihre Wirkungen für die Zukunft der Charaktere – allen voran Allegra – zu bestimmen. Dabei schafft es die Autorin eine kontrastreiche und stimmungsvolle Kulisse zu kreieren, ohne zu viel vorwegzunehmen. Der Roman gipfelt in einer ergreifenden Geschichte und der Schwere seiner Thematik, die dennoch leicht und einnehmend zugleich rübergebracht wird. Unterstützt wird das Buch dabei von einem frischen und angenehmen Schreibstil, der nicht einen Holperer beim Lesen beschert. Mit vielen Wendungen schafft es die Autorin gekonnt, die Leser zu überraschen und zu begeistern. Dabei gibt sie der Geschichte, die ca. fünf Wochen vor Weihnachten startet und mit dem Fest selbst endet, genug Raum sich zu entfalten. Sie ist nicht überschwängert an langweiligen Gefühlsduseleien, denn jede Emotion wirkt hart erkämpft, aber dafür umso ehrlicher. Aufgrund der Unterkühlt- und Nüchternheit Allegras und Sams ist bis kurz vor Ende des Romans nicht wirklich klar, ob sie sich nun kriegen oder nicht. Es bleibt für Euch selbst herauszufinden. Doch seid vorgewarnt, einen typisch romantischen Weihnachtsroman liefet diese Geschichte sicherlich nicht. Vielmehr geht es um Familienschicksale gespickt mit einer kleinen Romanze. Sämtliche Charaktere sind überdies an sich rund, hätten aber durchaus noch ein wenig mehr Breite und Tiefgang vertragen können. Mein absolutes Highlight der Geschichte ist ein geheimnisvoller Adventkalender, der auch die Grundlage mancher Kapitelüberschriften bildet. • Was wohl sich wohl dahinter verbirgt? Findet es am besten selbst heraus und genießt diesen bedeutungsvollen und ergreifenden Weihnachtsroman. Es ist wie das Nachhause-Kommen nach einer langen Reise, atemberaubend und beruhigend zugleich. Mein Lesehighlight dieses Weihnachten. Eure Jil Aimée