Leserstimme zu
London Underground

Belsey zum Zweiten

Von: Harakiri
05.12.2015

Als Detective Nick Belsey seine neue Flamme Jemma zu einem besonderen Rendezvous einlädt, verschwindet diese in den Tunneln unterhalb Londons. Belsey gerät selbst in Verdacht und versucht fortan die Suche auf eigene Faust voranzutreiben. Einzige Hilfe ist ihm seine Vorgesetzte. Als dann jedoch auch diese verschwindet, muss Belsey vor seinen eigenen Kollegen fliehen. Denn was nur er weiß: der Täter treibt ein perfides Spiel mit ihm. Und wenn er nicht rechtzeitig das Rätsel löst, stirbt Jemma. Auf der Suche nach „Standort 3“ könnte man das Buch untertiteln. Denn schnell ist dem Detective klar, wonach er suchen muss. Allein – diesen Standort kennt niemand. So wird es ein nervenzerreißenes Puzzle, das Belsey lösen muss. Nur in kleinen Schritten kommt er weiter und viele Hinweise erweisen sich als eine Sackgasse- oder er ist ein klein wenig zu spät dran. Denn der Täter hat Helfer in den höchsten Kreisen. Beim Lesen des Buches gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: London muss total unterhöhlt sein und: gibt es keine Ermittler mehr ohne ein Alkohol- oder Drogenproblem? Vor allem Letzteres hat mich anfangs etwas genervt. Da findet Belsey ein Depot und schießt sich erst mal ab. Dann will er den Inhalt des Lagers verkaufen – kein Gutmensch. Wobei diese Tatsache dann später ja erst zur Auflösung des Falles beiträgt. Ersteres fand dann auch in einem Nebensatz Erwähnung, den ich recht nett fand: bei der Beerdigung Prinzessin Dianas musste ein bestimmter Platz mit Blumen bepflanzt werden, damit dort nicht zu viele Menschen Platz finden – evtl. wäre sonst die Erde eingebrochen. Die Handlung an sich wirkt etwas konstruiert, wartet aber mit einigen überraschenden Ereignissen auf und führt weit zurück in die Vergangenheit. Das Ende habe ich leider nicht ganz verstanden, die Story nach dem Showdown blieb mir verborgen. Was hat es mit dem Standort 3 wirklich auf sich? SPOILER Wurden dort die Menschen gefangengehalten, um die es vorher ging? SPOILER Der Spannungsbogen ist recht hoch, vor allem am Ende. Was ein wenig fehlt, waren Gefühle. Belsey kommt als eigenwilliger Charakter daher, der sich zwar um Jemma und Craik sorgt, aber jetzt nicht gleich in Panik verfällt. Fast ruhig und besonnen löst er den Fall und gerät auch selbst in Gefahr. Fazit: Tief unterhalb Londons Straßen lauert die Rache. Doch wofür – auf die Auflösung muss der Leser lange warten und auf die Jagd mit Belsey gehen.