Leserstimme zu
Hollys Weihnachtszauber

Wunderbare Figuren

Von: Yvonnes Lesewelt
12.01.2016

Ich war ein bisschen ernüchtert, nachdem ich einige doch eher durchschnittliche Rezensionen gelesen hatte und war aber gespannt, was mich 500 Seiten lang erwarten wird. Ich muss den Rezensenten, die sagen, dass das Buch langatmig ist, leider Recht geben. Trisha Ashley hätte durchaus an der einen oder anderen Stelle straffen können, ohne dass von der Geschichte etwas verlorgen gegangen wäre. Die zehnte Wiederholung davon, wie Hollys kocht, putzt oder backt hätte sicher nicht unbedingt Not getan. Interessanter Weise, habe ich mich aber an keiner Stelle gelangweilt oder Seiten überblättert. Ich habe jedes einzelne Wort gelesen und war völlig in der Geschichte gefangen. Ich habe jede freie Minute genutzt um weiterzulesen, da ich unbedingt mehr von Holly und der interessanten Familie Martland wissen wollte. Der Schreibstil von Trisha Ashley ist sehr ausschweifend. Wie gesagt, man hätte sicher um einiges kürzen können. Aber, er ist auch wunderbar berührend und sehr bildhaft. Bereits nach wenigen Seiten konnte ich Holly und später auch die Familie Martland vor mir sehen. Ich hatte zwischendurch wirklich das Gefühl, ich stehe mit im Gewusel der großen Küche und beobachte diese wunderbaren Menschen. Trisha Ashley hat es geschafft, wirklich jeder der Figuren ihre kleinen Eigenheiten auf den Leib zu schreiben. Keine Figur ist wie die Andere, keine ist irgendwie stereotyp. Sie sind liebenswert, egozentrisch, launisch, charmant, alles, was Menschen im wahren Leben auch sind. Holly selbst konnte ich meistens sehr gut verstehen. Nicht ganz erschlossen hat sich mir zu Beginn, warum sie Jude so kratzbürstig begegnet. Später waren sie beide nicht unschuldig an der Situation, so dass es da klarer wurde, warum sie einander so angingen. Die beiden haben sich einfach immer wieder und wieder gegenseitig hochgeschaukelt und keiner der beiden Sturköpfe wollte zuerst einlenken. Es war sehr amüsant ihren Wortgefechten zu lauschen. Judes Lebensgeschichte wurde erst sehr spät aufgedeckt, so dass ich auch bei ihm manchmal ein bisschen Probleme hatte, nachzuvollziehen, warum er so handelt, wie er handelt. Nichts desto trotz fand ich ihn in seiner ganzen Art aber sehr interessant. Aber auch alle Nebenfiguren, wie Tilda, Jess oder Noel waren liebevoll beschrieben und selbst die unausstehliche Coco habe ich ein bisschen in mein Herz geschlossen. Man kann eigentlich gar nicht anders, als Trisha Ashleys Figuren zu mögen, denn aus jeder Zeile spricht die Liebe der Autorin zu ihren Figuren. Als Kapitelbeginn und ganz selten auch zwischendurch eingestreut, lernen wir noch etwas über die Geschichte von Hollys Oma. Diese Häppchen waren geschickt platziert und immer genau in der richtigen Länge um ein bisschen was zu erfahren, aber auch neugierig auf mehr zu machen. Wer eine Liebesgeschichte erwartet wird eher enttäuscht werden. Es geht mehr um die Liebe in der Familie, die Freundschaft zueinander und das gegenseitige unterstützen. Man sollte eher einen manchmal nachdenklichen, manchmal lustigen, Familienroman erwarten. Ich denke, dass man dann mit diesem Buch hier gut bedient ist. Von mir gibt es 4 verdiente Sterne. Einen Stern muss ich leider abziehen, da ich aufgrund der manchmal zu langgezogenen Geschichte das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen kann.