Leserstimme zu
Winterküsse im Schnee

Anders als erwartet, besser als erhofft

Von: Kopfkino-Blog
31.01.2016

"Winterküsse im Schnee" war mein erster Roman von Karen Swan. Erwartet habe ich mir eine winterliche Liebesgeschichte mit weihnachtlichem Flair. Bekommen habe ich etwas ganz anderes...und das war noch besser ;) Das Cover des Buches gefällt mir unglaublich gut, auch wenn es in meinen Augen nicht zum Inhalt passt. Zu sehen ist eine Frau im roten Mantel die im Schnee auf den Big Ben zustapft. Zudem sind kleine Glitzersteinchen auf dem Cover aufgebracht. Das Cover erweckt allerdings falsche Erwartungen bei dem Leser. London spielt in diesem Buch nur eine kleine Rolle, denn die Geschichte selbst, spielt hauptsächlich in Zermatt (Schweiz). Zudem sieht die abgebildete Frau Allegra leider selbst von hinten nicht ähnlich. Die Allegra aus dem Buch hat deutlich kürzere Haare und einen roten Mantel kann ich mir an ihr auch nicht vorstellen. Aber seis drum ;) Ein Hingucker ist das Buch auf jeden Fall. Allegra ist Anfang 30 und eine erfolgreiche Hedgie. Als solche handelt sie mit Hedge-Fonds...und genau dieser Job ist ihr Leben. Abgesehen von ihrer Schwester Isobel und der an Alzheimer erkrankten Mutter, hat Allegra kaum soziale Kontakte. In ihrem von Männern dominierten Beruf muss sie als Frau immer weiter um Anerkennung und Gleichstellung kämpfen. Ihre weibliche Seite oder gar ein Freund / Ehemann haben da keinen Platz. Mit dieser Allegra hatte ich zunächst meine Probleme und so kam es, dass ich auf den ersten Seiten des Buches nicht besonders angetan von der Geschichte war. Die karriereorientierte Allegra war mir zu Beginn unsympathisch, ihr Handeln für mich nur schwer nachvollziehbar. Doch nach und nach blickt der Leser hinter ihre Fassade und erfährt, wieso ihr dieser Job so verdammt wichtig ist. Nach einigen Seiten war mein Vorurteil das ich gegen Allegra hegte auch schon Vergangenheit und ich lernte sie insbesondere wegen ihrem Ehrgeiz und ihrer Stärke als Protagonistin sehr zu schätzen. Zudem wurde sie mir auch immer sympathischer, denn hinter der Fassade der knallharten Geschäftsfrau verbirgt sich eine liebevolle Schwester, eine fürsorgliche Tochter und eine Frau, die vielleicht nicht ganz so selbstbewusst ist, wie es zunächst scheint. Der Schreibstil von Karen Swan passt perfekt zu der Geschichte. Er ist sehr flüssig geschrieben und liest sich dadurch sehr angenehm. Zudem konnte ich mir Orte und Charaktere sehr gut vorstellen. Und auch an Spannung mangelte es diesem Roman auf keiner Seite. "Winterküsse im Schnee" ist viel mehr als ein winterlicher Liebesroman. In meinen Augen stand die Liebesgeschichte nicht einmal im Vordergrund. Viel mehr ging es um Allegras und Isobels Vergangenheit und ein Familiengeheimnis, das die beiden im Laufe des Buches lüften. Es geht um das Leben einer Frau, das vor allem durch den Beruf bestimmt wird und es geht um einen Beruf, in dem Frauen und Männer noch längst nicht gleichgestellt sind. So kam es, dass man Allegra bspw. auch bei ihrem Kampf, einfach nur als gleichwertige Kollegin angesehen zu werden, begleitete. Das bis dahin auch in der Realität noch ein weiter Weg ist, macht dieses Buch sehr deutlich klar. Zudem erhält der Leser einige interessante Einblick in das Leben eines Hedgies. Auch die Nebencharaktere empfand ich als sehr authentisch und liebenswert. Dennoch hätten die Szenen mit Sam (oder auch Sam im Allgemeinen) gerne einen größeren Platz in der Geschichte einnehmen dürfen. Durch den Klappentext erwartete ich eigentlich "viel mehr Sam". Besonders spannend empfand ich allerdings das Geheimnis, dass Allegras und Isobels Großmutter umgab. Während der Geschichte tauchten immer mehr Details auf, bis zum Schluss auch die letzte Frage geklärt war. Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Ein bisschen kitschig, allerdings nicht zu viel, und schön in sich abgeschlossen. Der einzige Kritikpunkt: Teilweise hatte ich das Gefühl von einem Ereignis ausgeschlossen zu werden. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber wenn ein Kapitel mit einer Entdeckung endet, wäre ich als Leser doch gerne bei dem anschließenden Geschehen mit dabei. Allerdings startete das neue Kapitel oftmals damit, dass Allegra ihrer Schwester von den Geschehnissen erzählte. Dies fand ich stellenweise etwas schade. Fazit: Eine rundum gelungene Geschichte mit liebenswerten Charakteren und einer spannend-schönen Geschichte.