Leserstimme zu
Die Seelen der Nacht

[Rezension] Die Seelen der Nacht

Von: Mareike
20.02.2016

Selten fällt mir eine Rezension so schwer wie zu Die Seelen der Nacht. Ich habe mich mit dem gesamten Roman ja schon schwer getan, weil er so unglaublich detailreich ist und somit viele Längen entstehen. Immer wieder habe ich daher das Buch unterbrochen und etwas dazwischen gelesen, dass mich einfach mehr angesprochen hat. Dabei ist Die Seelen der Nacht nicht schlecht - überhaupt nicht! Die Art, wie die Geschichte aufgebaut ist und wie die Autorin das Setting beschreibt, ist sehr gelungen. Ich finde gerade die Verknüpfung von Wissenschaft und übersinnlichen Wesen interessant. Ich habe viel über alte Mythen, Alchemie und Co. gelernt und fand die Szenen, in denen es um wissenschaftliche Zusammenhänge ging, immer sehr spannend. Allerdings muss man einige Geduld mitbringen und sich auf die wirklich sehr detailreiche Schilderung einlassen. Ich habe letztendlich übrigens das Hörbuch gekauft und Abschnitte zwischendurch gehört, einfach um die Geschichte endlich beenden zu können. Positiv ist für mich, dass sich die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren einmal sehr langsam entwickelt. Der Vampir Matthew Clairmont beginnt mit vorsichtigem Werben und gibt dabei immer wieder an, er habe so viel Zeit. Das mag stimmen, nur leider lebt Diana als Hexe keineswegs länger als normale Menschen, weswegen sie ihrer Meinung nach eigentlich keine Zeit fürs langes Werben hat. Die Autorin zelebriert schon fast die Findung der zwei Wissenschaftler und überstürzt dabei absolut gar nichts. Ab und an habe ich dennoch die Augen verdreht, denn wen interessiert es schon ALLE Gänge eines Menüs zu erfahren und welche Teile ein Vampir davon nun essen kann und welche nicht? Oft verbrachten Diana und Matthew auch ihre Zeit mit diversen Sportarten (in denen sie natürlich so gut wie immer perfekt waren) oder tranken Tee und Wein. Überhaupt sind die Informationen in praktisch jeder Richtung ausführlich und decken die komplette Bandbreite ab. Egal ob es um das Alter und die Herkunft eines Weines ging oder um komplizierte alchemistische Experimente. Natürlich ist es immer schön, einige Informationen dazu zu bekommen, wie die Autorin ihre Vampire und das Setting sieht und verbindet, aber oftmals war es einfach zu viel. Mathew ist mein Lieblingscharakter in der Geschichte und zwar nicht, weil er ein Vampir ist. Das kommt nämlich gar nicht so sehr zum Tragen, wie man meinen könnte, denn dass Diana eine Hexe ist, steht mehr im Vordergrund und ihre Gabe ist der Anstoß für alle folgenden Unwegbarkeiten, die das Paar umschiffen muss. Matthew hingegen kommt mir oft wie ein Schurke vor, denn er ist düster und verbirgt immer wieder Informationen. Meistens kann man ihn nur aus Dianas Sicht kennen lernen - auch wenn das schon sehr intensiv ist. Ab und an berichtet er von seinem leben oder man erfährt über anderen Charaktere etwas von seiner Historie und hier hätte ich mir sogar wiederum gewünscht, dass da noch mehr kommt. Denn ich liebe es, Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten zu lesen und ein 1500 Jahre alter Vampir hat bestimmt noch eine Menge Anekdoten auf Lager. Komischerweise hat mir Diana als Charakter gar nicht gefallen, obwohl sie, genau wie ich, gerne in Bibliotheken sitzt und alte Manuskripte liest. Sie war für mich aber einfach zu perfekt, auch wenn sie ihre Kräfte vor allem zu Beginn des Buches gar nicht kennt. Sie ist nicht nur klug und historisch bewandert, sie ist auch sehr sportlich (und es gab eine Menge Sportarten, die sie innerhalb der Geschichte ausprobiert hat). Nebenbei verfügt sie über so viel Magie, wie seit Generationen keine Hexe mehr. Mir war sie damit zu glatt. Ihre negativen Eigenschaften haben bei Weitem dieses "Superhelden-Image" nicht aufbrechen können. Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten und das hat mir einfach an dieser Stelle gefehlt. Ich hoffe, dass sie in Shadow of Night ein wenig menschlicher wird. Die Atmosphäre ist in Die Seelen der Nacht wirklich dicht gestrickt. Es ist ein Buch, dass einen Leser so richtig in seinen Bann ziehen kann, wenn man sich vorher bewusst ist, dass es durch die langen Beschreibungen nicht immer gleich spannend ist. Wirklich interessant wird es erst zum Ende hin, wenn sie Handlung Fahrt aufnimmt. Hätte man mich nach der ersten Hälfte des Buches gefragt, ob ich Band 2 lesen möchte, hätte ich verneint, aber die Autorin schafft es am Ende doch, dass ich neugierig bin, wie es weitergeht. Ich habe eine vage Idee, wie es in Shadow of Night weitergehen könnte und werde wohl doch zur deutschen Übersetzung greifen, wenn das Buch erscheint. Bewertung Die Seelen der Nacht ist ein magischer Roman, mit einer dichten Atmosphäre. Der langatmige Aufbau schmälert das Lesevergnügen allerdings, auch wenn der Fantasyroman dadurch erstaunlich realistisch bleibt. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung. Shadow of Night ist Mitte Juli auf englisch erschienen, so dass es wohl nicht mehr all zu lange dauert, bis es auch auf deutsch weiter geht.