Leserstimme zu
Das Nebelhaus

[Rezension] Das Nebelhaus

Von: Mareike
20.02.2016

Für den Autor Eric Berg war es ein lang gehegter Wunsch einen Kriminalroman zu schreiben. Unter anderem Namen veröffentlichte er bereits historische Romane, doch mit Das Nebelhaus gibt er sein Debüt was Krimis betrifft. Für mich war das Buch besonders interessant, weil es auf einer mir bis dato unbekannten deutschen Insel spielt und ich einen historischen Roman des Autors bereits kannte. Damals hat mir der Stil zugesagt, auch wenn es verwirrend viele Perspektiven gab. In Das Nebelhaus erkennt man den Autor der historischen Romane sofort wieder und ich fühlte mich gleich wohl in der spannungsgeladenen Atmosphäre. Das Nebelhaus ist in zwei Erzählstränge aufgeteilt, die sich nach und nach immer mehr ergänzen. Auf der einen Seite erlebt man Doro, die in der Gegenwart versucht einen Artikel über die "Blutnacht auf Hiddensee" zu schreiben. Immer wenn sie etwas herausfindet, wird es im anderen Erzählstrang aufgegriffen. Dieser spielt zwei Jahre zuvor und berichtet, wie sich die Studienfreunde Timo, Philipp, Yasmin und Leonie auf Hiddensee wiedertreffen. Während man Doros Nachforschungen aus der Ich-Perspektive verfolgen kann, bleibt man in den Rückblenden außen vor. Dafür bekommt man aber jeweils einen anderen Charakter als Erzähler, was nicht nur für Abwechslung, sondern auch für zusätzliche Spannung sorgt. Eric Berg schafft es nämlich bis zum Finale, nicht komplett zu enthüllen, wer eigentlich ermordet wurde und wer von der illustren Runde überlebt hat. Es herrschte Postkartenidylle: keine Wolken am Himmel, blühende Heckenrosen, leichter Wind, Brötchenduft, schönes Porzellan, zwei Kannen Kaffee, eine Kanne Tee, tausend Marmeladen. (S. 121) Wenn ein Morgen auf Hiddensee so beschrieben wird, möchte ich am Liebsten gleich dorthin und Urlaub machen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Leonie und ihre beiden alten Studienfreunde der Einladung von Timo folgen und ihn und seine Familie über ein Wochenende auf Hiddensee besuchen. Es war nicht abzusehen, dass dort ein schreckliches Unglück geschehen wird, das noch zwei Jahre später nicht vollends geklärt ist. Drei Menschen sterben und eine Frau wird so schwer verletzt, dass sie nichts zur Aufklärung beitragen kann. Für Doro gestaltet sich der Fall schwierig. Eigentlich ist sie eine sehr gute Journalistin und geradezu ein Profi auf dem Gebiet der Mordfälle. Es macht sie besonders authentisch, dass sie trotz der täglichen Arbeit mit der Gewalt nicht abgestumpft ist. Ihr bereitet es Schwierigkeiten, die Geschichte zum zweijährigen Jahrestag der Blutnacht zu Papier zu bringen. Sie möchte keinen reißerischen Artikel schreiben, sondern wissen, was wirklich in dieser Nacht geschah. Während ich zu Beginn kleinere Schwierigkeiten hatte, mich mit Doro anzufreunden, wurde sie im Laufe der Geschichte immer interessanter für mich. Nach und nach wird mehr von ihrem Leben enthüllt, wodurch ich mich besser in sie hineinversetzen konnte. Die Spannung bleibt in dem Roman von der ersten bis zur letzten Seite. Ich habe das Buch praktisch ohne Unterbrechung gelesen. Die Perspektiven wechselten immer gerade dann, wenn man spürte, dass etwas Wichtiges geschehen würde, weswegen man das Buch einfach nicht beiseite legen kann. Nicht nur die tolle Gestaltung des Umschlags, sondern auch die Handlung und das packende Finale machen Das Nebelhaus zu einem ganz besonderen Kriminalroman. Bewertung Das Nebelhaus hat mich total überzeugt. Der Kriminalroman besticht mit einer durchdachten, logischen Handlung, tollen Verknüpfungen zwischen den Erzählsträngen und einer packenden Atmosphäre. Ich bin froh, dass Eric Berg seinem langgehegten Wunsch nachgegeben hat und hoffe auf viele weitere Krimis dieser Art.