Leserstimme zu
Adler und Kranich

Längst überfällig

Von: Jörn Fries, Historiker im Schuldienst und Freier Journalist aus Nieheim
17.03.2016

Die vorliegende Publikation des Bochumer Historikers Lutz Budrass war längst überfällig. Sie räumt mit gern weitererzählten, allerdings nie auf ihren Wahrheitsgehalt hinterfragten Mythen auf und zeigt schonungslos, darin Leopold von Ranke folgend, wie es wirklich gewesen ist: Der gelbe Kranich war (und ist es wohl noch heute) ein Vorzeigevogel der deutschen Luftfahrt(industrie), aber er war auch Teil der Wiederbewaffnung des Deutschen Reiches nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und diente später auch dem NS-Staat und dessen unmenschlichen Zielen. In jüngerer Zeit folgte mit der Firma MBB (später DASA, Eurocopter Helicopter, jetzt Airbus Helicopters) ein weiteres Unternehmen dem Vorbild der Lufthansa: Von der (Bundes-)Regierung und den (West-)Alliierten gebraucht, um hochtechnologisierte Kriegstechnik zu entwickeln und zu produzieren (beispielsweise die Bo 105 als Panzerabwehrhubschrauber), wurden deren Produkte allerdings auch ein Bestseller im zivilen Bereich (so war der erste zivile Rettungshubschrauber der Bundesrepublik, der in München stationierte "Christoph 1" eine Bo 105, weltweit folgten weitere über 1.000 Serienmaschinen - nicht nur im Luftrettungsdienst). Es ist das Verdienst Budrass', dass man die Erfolgsgeschichte der Lufthansa und damit der (bundes-)deutschen Luftfahrt endlich auch mit anderen, oder soll ich sagen: offenen Augen sehen kann. Hierfür gebührt ihm mein Dank.