Leserstimme zu
Are you finished? - No, we are from Norway

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

[Rezension] Sophie Seidel - Are you finished? - No, we are from Norway

Von: Glitzerkonfetti
17.03.2016

Klappentext: Die wahren menschlichen Abgründe tun sich dort auf, wo der Mensch isst, trinkt und am Stammtisch sitzt - erkennt die frischgebackene Kellnerin Sophie. Ihre Kollegen geben ihr keine zwei Wochen. Doch Sophie beißt sich durch, stemmt Bierkrüge und vollgeladene Teller und hört nachts zum Abreagieren Metallica. Nur sind weder die Kollegen noch der diktatorische Koch schuld am täglichen Irrsinn: Es sind ihre Gäste, die Sophie Seidel an den Rand des Wahnsinns treiben... Gestaltung: Das Taschenbuch ist in einem hellen Blauton gehalten und die Vorderseite schmückt eine Kellnerin, welche wohl die Autorin selbst darstellen soll - mit Föhn und Bierkrug in den Händen. Über und neben ihr sind die Sprechblasen, die den Buchtitel beinhalten, platziert. Auch der Buchrücken wurde mit Sprechblasen geschmückt, hier sind es drei Stück, welche Sätze von den Gästen enthalten, wie "Ich hätte gerne eine Portion Emmentaler. Aber bitte nicht so viele Löcher, ja?". Dieses in der Ich-Form geschriebene Sachbuch ist nach dem Prolog, in dem man erfährt, wie es zu diesem Buch kam, in 14 Kapitel eingeteilt und im Anschluss daran folgen Epilog, Glossar, indem einige bayerische Begriffe erklärt werden, und letztlich der Dank. Meine Meinung: Sophie tritt ihren ersten Arbeitstag im Münchner "Bräufassl", einem Top Lokal inmitten Münchens, an und macht nicht nur Bekanntschaft mit den Kollegen, sondern auch mit Gästen, die es schaffen, in Erinnerungen behalten zu werden. Sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne, zum Beispiel Zechenpreller oder ein Pärchen, welches gegenseitig nichts vom Alkoholkonsum erfahren darf. Erwähnenswert ist für die Autorin auch, dass es auch im Leben einer Kellnerin mal schlechte Tage gibt, Tage an denen ein künstliches Lächeln schwer fällt, Tage an denen man lieber trauern würde, statt lächelnd zu bedienen. Aber auch schlechte Restaurantbewertungen sowie die Trinkgeld Regelung werden debattiert, da manche Gäste lediglich aufrunden oder gar kein Trinkgeld geben. Beispielsweise verlangt ein Gast nach einer Schmerztablette und gibt nach seinem Essen nichtmal 1 Cent Trinkgeld, ein anderer gibt der Kollegin Bärbel 10 Cent und meint daraufhin, sie solle sich das mit ihren Kollegen bitte teilen. "Wer Menschenkenntnis entwickeln möchte, sollte entweder Psychologie studieren oder in die Gastronomie gehen." (S. 12) Ich liebe Erfahrungsberichte und habe im Vorfeld schon einige aus unterschiedlichen Berufsfeldern (Psychiater, Hebamme, Krankenschwester, Arzt, Rettungssanitäter und Gerichtsmedizinerin) gelesen und kann mich immer wieder aufs Neue von diesem Genre berieseln lassen. Jedenfalls hat auch dieses Buch mir wirklich gut gefallen, es war teilweise köstlich amüsant, andererseits bitter und ernst - eine gelungene Mischung und ein guter Einblick in die Gastronomie. Fazit: Wer sich ebenfalls für Erfahrungsberichte interessiert, wird mit "Are you finished? - No, we are from Norway" bestens versorgt sein.