Leserstimme zu
Wo ich dich finde

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Hätte man mehr draus machen können

Von: Kitty
25.03.2016

Obwohl Maggie und Elsa aus zwei völlig unterschiedlichen Generationen kommen, sind sie sich in einer Hinsicht doch ziemlich ähnlich, denn beides sind unglaublich starke Frauen. Wo die Eine mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat, trauert die Andere einer längst vergangenen Zeit nach. Man bekommt als Leser in beide Seiten einen tiefen Einblick. Zum Einen geht es in Wo ich dich finde natürlich um die blinde Maggie und darum, wie sie mit ihrer Schwangerschaft, und alles andere drumherum umgeht. Auf der anderen Seite lernen wir Elsa kennen und zwar in der Gegenwart, wie auch in der Vergangenheit. Amanda Brooke springt immer mal wieder in der Zeit, um Elsas Geschichte so richtig aufzudecken und dem Leser bewusst zu machen, wie schwer ihr einige Dinge einst gefallen sind und wie es ihr heute (damit) geht. Warum sie denkt, sie sei auch schwanger, wird sehr schnell aufgeklärt, ich muss allerdings sagen, dass mir diese Auflösung schon ziemlich schnell klar wurde. Amanda Brooke hat sich für ihr neuestes Werk wahrlich kein leichtes Thema ausgesucht. Bei diesem Kern ist ohne Frage Fingerspitzengefühl gefragt, was ihr gelungen ist. Die Autorin ist brutal ehrlich und schildert ohne einen Puffer einzubringen, wie es Elsa gerade ergeht. Wie sie mit ihrem "Geheimnis" umgeht, welche Menschen ihr zur Seite stehen und auch, in wie weit Maggie in diese Situation, in ihre Geschichte hineinpasst. Es ist ein großes Puzzle, welches der Leser erst einmal mühsam, Schritt für Schritt zusammensetzen muss, um endlich das große Ganze zu erblicken. Diesen Weg gehen wir zusammen mit Maggie, denn auch die schwangere, junge Frau möchte hinter das Geheimnis Elsas kommen, um ihr zu helfen. »"Sie müssen anfangen, an sich selbst zu glauben, Maggie. Hören Sie auf mich, enttäuschen Sie dieses kleine Wesen nicht schon, bevor es überhaupt auf der Welt ist."« Zitat aus: "Wo ich dich finde" Der Plot ist sehr gut durchdacht. Daraus hätte man eine wirklich herzerwärmende Geschichte machen können, nur leider mangelte es mir an einigen Stellen an der passenden Umsetzung. Mir wurden zu viele Baustellen eingebaut. Sei es die Probleme, die Maggies Schwiegermutter mit sich bringt, oder auch einen Zwist im Freundeskreis der Protagonistin: Das war mir bedauerlicherweise zuviel und schadete dem eigentlichen Plot, der durch die vielen Nebenschauplätze arg in den Hintergrund gerückt wurde. Hinzu kam, dass diese vielen kleinen Strohfeuer die Geschichte an sich sehr ausbremste, die Spannung zusehends niederbrannte und schließlich in Langeweile umschlug. Als absolutes Manko empfand ich, dass keinerlei Emotionen so richtig bei mir ankamen, dabei sind es gerade diese, die "solche Art" von Romanen grundsätzlich immer das Lebendige, das gewisse Etwas geben. In Wo ich dich finde blieben sie für mich jedoch leider stets in weiter Ferne, was ich als wirklich schade empfinde, denn im Grunde genommen mochte ich den Plot sehr. Auch über den Schreibstil kann ich erneut nur Gutes sagen, denn dieser ist, wie ich schon von den andere Romanen der Autorin gewohnt bin, sehr flüssig und lässt sich gut lesen. Auch die Figuren wachsen einen sehr ans Herz und dies, obwohl die gesamte Geschichte auktorial erzählt wird. Besonders zu Elsa hatte ich eine tiefe Empathie. Ich habe ihr alles abgenommen, ganz egal, was sie sagte oder tat. Sie wirkte auf mich stets authentisch. Außerdem mochte ich das Miteinander der beiden Frauen sehr gerne. Wie sie miteinander umgehen und sich gegenseitig, ohne es überhaupt zu erahnen, helfen, hat mich ziemlich sprachlos gemacht. Das Ende rundete für mich zwar alles sehr gut ab, doch dies hat mich genau so wenig über die viel zu vielen Baustellen, als auch über die mangelnden Emotionen hinwegtrösten können. Fazit: Wo ich dich finde hatte großes Potenzial, welches jedoch nicht komplett genutzt wurde. Die Figuren waren zwar allesamt sehr gut gezeichnet, jedoch mangelte es über die gesamte Geschichte hinweg an dem Transport der Emotionen, was für mich bei einer solchen Art von Lektüre allerdings zu einem absoluten Muss gehört. Hinzu empfand ich einige Nebengeschichten als überflüssig. Nichtsdestotrotz hat mir Wo ich dich finde dennoch gefallen und deswegen vergebe ich gute drei Blümchen.