Leserstimme zu
Das Dickicht

Das Dickicht

Von: kaisu
01.04.2016

Rau und kalt, so kennen wir Lansdale. Mit diesem Buch hat er eine neue Spitze der Boshaftigkeit erreicht. Nur diesmal in dem Western-Genre. Diese Zeitepoche mag für den ein oder anderen im ersten Moment abschreckend wirken. Doch man sollte dieser Geschichte auf jeden Fall eine Chance geben. Sollte herausfinden, wer Jack ist, warum seine Schwester Lula überhaupt entführt wird und wieso er sich deswegen mit zwei Kopfgeldjägern einlässt, die unterschiedlicher nicht sein könnten, um gemeinsam mit ihnen zu dem düsteren Dickicht zu wandern. Für ausreichend Unterhaltung wird in den kommenden Seiten auf jeden Fall gesorgt. Jack Parker kann nicht wie sein Namensvetter Peter Parker mit klebrigen Spinnenseilen an Häusern herumkraxeln und muss um das Leben seiner Liebsten bangen, die ein Bösewicht in seinen Händen hat. Bei der niedrigen Häuserhöhe damals würde das sicher extrem lustig aussehen und bei weitem nicht so elegant. Aber auch Jack muss um das Leben von jemanden Bangen: Seiner Schwester. Nachdem die Pocken seine Eltern dahingerafft haben, ist er der Herr im Haus und sucht Unterstützung bei seinem Großvater. Der zurückgezogene alte Herr will zurückgezogen bleiben und bringt die beiden zu ihrer Tante. Doch sie kommen nicht allzu weit. Ein Mix aus Habgier, Stolz, einem unruhigen Fluss und verdammt schlechtem Wetter, sorgt für einen folgenschweres Unglück. An dessen Ende Jack allein da steht. Naja, fast. Er hat noch das Schreiben für ein Grundstück bei sich, was ihm noch eine gewaltige Stütze sein wird. Da Jack's Schwester Lula nach dem Tumult in die Hände fieser gesetzesloser Banditen geraten ist, macht er sich todesmutig auf, sie aus deren Klauen zu befreien. Recht weit kommt er nicht mit seiner Unerfahrenheit. Erst nach der neuen Bekanntschaft zu Shorty und Eustace keimt die Hoffnung in ihm auf Lula lebend zu finden. Aber auch Kopfgeldjäger wollen überzeugt und bezahlt werden. So wechselt das familiäre Dokument kurzerhand seine Besitzer und Jack begibt zusammen mit den zwei schrägen Gestalten und ihrem borstigen Wildschwein auf Fährtensuche. Allein, wenn ich die Vier nun vor mir sehe, muss ich innerlich schmunzeln über dieses bunte Gespann, dass trotzdem perfekt zusammenarbeitet und in der rauen Natur viel über sich selbst und seine Weggefährten lernt. Trotz der derben Ereignisse, kommt der Humor nicht zu kurz. Shorty heißt nicht umsonst "shorty" und hat mit ganz besonderen menschlichen Problemen zu kämpfen, die man so vielleicht gar nicht erwartet hätte. Eustace hingegen ist schwarz und hat allein deswegen schon genug Sorgen am Hals, aber er ist ein begnadetere Fährtenleser. Behauptet er zumindest. Die beiden werfen sich regelmäßig Sprüche an den Kopf und fotzeln herum, dass einem die Schamesröte ins Gesicht steigt. Gleichzeitig wissen sie genau, wann und wo eine Waffe zum Einsatz kommen muss und wer leben oder sterben darf. Meist hängt das davon ab, wie viel Geld auf den Kopf der Person ausgesetzt ist. Mittendrin hüpft dann noch der naive Jack herum, der die Bekanntschaft mit einer älteren hübschen Hure macht und viele viele neue Dinge über das Leben lernt. Nicht zu vergessen Keiler, das Wildschwein, was nachts gerne kuscheln kommt und tagsüber brav grunzend nebenher trotet, sofern er nicht etwas zum fressen gesichtet hat. Und das sind nicht immer niedliche Eicheln vom moosigen Waldboden. Letztendlich bewegen sie sich langsam aber sicher auf ihr Ziel zu. Das besagte Dickicht. Dort soll Lula im Lager der Outlaws versteckt sein. Ob sie dabei als Hausmütterchen, Matraze oder Zielscheibe benutzt wird, ist völlig unklar. Raue Zeiten eben, in denen wir uns befinden. Wo Männer noch das Sagen hatten und Frauen nur die obigen genannten Funktionen hatten. Somit ist das Buch auch zurecht dem Genre "hardcore" zugeteilt. Mit Wattebällchen wird hier definitiv nicht um sich geschmissen und man darf sich gern an Quentin Tarantino Filme erinnert fühlen. Trotzdem ist es nicht so extrem, dass man das Buch vor Ekel weglegt. Dafür ist die Dosis der Gewalt zu geschickt gemixt. Außerdem wird die Geschichte aus Erinnerungen von Jack erzählt. Dabei hat er sicher eine Menge Blut übersehen und so manches andere hinzugedichtet. Ich fühlte mich perfekt unterhalten und Joe R. Lansdale hat wieder mal gezeigt, was für ein genialer Autor er ist!