Leserstimme zu
Ich schweige für dich

Sehr gelungener Thriller

Von: booknator
09.04.2016

Meinung: Als ich „Ich schweige für dich“ startete, hatte ich mich auf etwas mit Familie und einem schön dunklen Geheimnis in der Ehe gefreut. Habe ich auch bekommen, zumindest zum größten Teil. Die Idee hinter diesem Buch ist sehr einfach, ein Mann erfährt von dem Geheimnis seiner Frau und diese verschwindet daraufhin. Hört sich vielleicht etwas langweilig an, aber die Umsetzung hat mir doch sehr gut gefallen. Kommen wir aber zuerst einmal zu dem erschaffenen Setting, dieses schreit nämlich förmlich nach typischer amerikanischer Familienidylle, mit Hund und Haus und 2 Söhnen. Die Familie scheint ganz gut klar zukommen und muss sich eher mit Erste Welt Problemen rumschlagen. Dennoch erschafft der Autor ein sehr reales, simple vorzustellendes detailgetreues Grundgerüst, mit welchem sich der Leser identifizieren kann. Somit kann man als Leser super einfach in die Geschichte finden und legt erstmal relativ belanglos und entspannt los. Grund für diesen einfachen Einstieg und dieses unbeschwerte Gefühl ist definitiv mit der sehr moderne Schreibstil. Der Autor bringt aktuelle und wirklich zeitnahe Gegebenheiten, wie beispielsweise Facebook und WhatsApp mit in seine Geschichte ein, färbt die Charaktere ihrem Alter entsprechend, wie zum Beispiel die beiden Jungs, die einfach absolut so wie Teenager agieren und ist einfach grundlegend zeitgemäß unterwegs. Außerdem hat der Autor eine gewisse subtile Art, mit der er seine Spannung in diesem Buch hält, denn sie ist trotz belangloser Situation irgendwie doch immer da, wenn auch unterschwellig, und das fand ich toll! Die Handlung wird anfangs eher unbekümmert gestaltet, sodass alles ganz normal erscheint. Dieses unbekümmerte, lockere bleibt irgendwie auch die ganze Zeit präsent. Allerdings mischt sich dann die subtile Spannung hinzu, weil der Leser ständig mit der Frage konfrontiert wird, was mit der Frau, Corinne, des Protagonisten, Adam, geschehen ist. Da der Protagonist glücklicherweise kein Polizist ist, verfügt er logischerweise nicht über diese ganzen polizeilichen Mittel, die ihn bei der Suche seiner Frau unterstützen könnten. Dennoch findet er einen interessanten Weg für „Normalos“, den der Autor sehr authentisch beschreibt. Dabei wird er nicht unrealistisch und lässt Adam Dinge herausfinden, die er nicht herausfinden kann. Es bleibt eben sehr nachvollziehbar und einfach echt. Die Spannung nimmt logischerweise bis zum Ende immer weiter zu, da Adam immer mehr herausfindet. Das Ende ist nicht unnötig actionreich oder spektakulär, es passt einfach komplett zur Stimmung und allgemein zum Buch. Teilweise ist es unerwartet aber gleichzeitig auch zu erwarten. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, da das spoilern würde, aber ich kann sagen, dass ich bis zur Auflösung nicht gewusst oder geahnt habe, wie es aufgeklärt werden könnte. Adam ist als Protagonist sehr angenehm. Ich persönlich kaufe ihm seine Rolle als fürsorglicher Vater und Ehemann vollkommen ab und konnte seine Gedankengänge gut nachvollziehen. Auch ihn als Person mag ich sehr gerne, auch wenn er nicht unglaublich viel an Tiefe gewinnt, finde ich doch, dass man ihn als Leser sehr gut kennengelernt hat. Fazit: Alles in allem kann ich sagen, dass dieser Thriller einer der modernen Sorte ist. Der Leser begleitet einen authentischen, verzweifelten Vater bei der Suche nach seiner Frau. Es wird durchgehend mit einer immer präsenten, aber nicht zu starke ausgeprägten Spannung gearbeitet und die wird mit dem normalen, immer komplizierter werdenden Familienleben und dem immer aufschlussreicheren „Ermittlungen“ vermischt. Vollkommen vom Hocker reißen konnte mich dieser Thriller nicht ganz und auch wenn die Spannung doch ein kleines bisschen stärker sein könnte, würde ich diesen Thriller durchaus empfehlen. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen!