Leserstimme zu
Mit dem Herzen einer Tigerin

Ein ergreifender Einblick in das Leben einer Inderin

Von: Kerstin C.
16.05.2016

Das Cover zeigt eine junge Frau, vermutlich eine Inderin eventuell sogar Amila. Sie lüftet für den Fotografen zur Hälfte den Schleier und zeigt etwas von ihrem Gesicht, dass sie in der Öffentlichkeit hinter dem Schleier verstecken muss. Die Frau hinter dem rosa Schleier sieht etwas verschmitzt in die Welt. Ich finde es zeigt ganz deutlich den Mut und die Stärke die Amila ausstrahlt. Katharina Finke gibt einen eindrucksvollen, ergreifenden und traurigen Einblick in das Leben einer „gekauften“ Frau in Indien. Die Autobiographie von Amila steht stellvertretend für viele, oft muslimische Frauen in Indien. Immer noch sind Frauen in diesem asiatischen Land nichts Wert, egal welcher Religion sie angehören. So kommt es leider immer wieder dazu, dass Mädchen nach der Geburt direkt beseitigt werden. Finke reiste mit Fotograf und Dolmetscher in ländliche Regionen Indiens und suchte den Kontakt zu Frauen. Sie erlangte das Vertrauen der Frauen und ließ sich ihre Geschichten erzählen. Stellvertretend für viele hat es ihr die Geschichte von Amila besonders angetan. Amila wächst in Assam auf. Im Norden des Landes haben es die Frauen schon etwas leichter. Es scheint mir eine liberalere Region zu sein. Trotzdem gelangt sie in fremde Hände und wird an einen Mann in Alwar verkauft. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie grausam die Hochzeit mit 11 Jahren gewesen sein muss. Ich durfte mit elf noch ganz unschuldig mit Barbies spielen und zur Schule gehen. Aller Grausamkeit zum Trotz zieht Amila ihre Kinder mit viel Liebe groß und versucht sie so gut wie möglich vor deren Vater, ihrem Ehemann zu schützen. Dafür steckt sie selbst sehr viel ein. Mutig steht sie Akthar gegenüber und erkämpft sich etwas Freiraum. Während ich dieses Buch gelesen habe standen mir immer wieder Tränen in den Augen. Ich habe mit Amila geweint, wenn sie gerade wieder von ihrem Mann mißhandelt wurde. Ich habe mit ihr um ihre größer werdende Familie gebangt. Ich habe immer wieder gehofft, sie kann ihrem Mann entkommen und zu ihrer Familie nach Assam fliehen. Bewundert habe ich den Mut der Frauen. Und war irgendwie auch erschrocken über diese Welt in Indien, die man zwar aus der Presse zum Teil zwar erahnen kann, aber das war es dann auch. In den Bollywood Filmen sieht man nur das wundervolle Indien voller Liebe. Und auch als Tourist kommt man dem wahren Indien nicht all zu nah. Im letzten Jahr war ich in Cochi, Marmugoa und Mumbai. Also in verschiedenen Landesteilen von Indien, doch als Tourist in den Hafenstädten scheut man davor, sich auch in die Randgebiete vorzuwagen. So ergreifend und traurig das Buch auch war, ich möchte die Geschichte nicht missen. Es hat mir wieder vor Augen geführt wie groß die Unterschiede für Frauen immer noch sind und wie froh man sein kann, in Deutschland auf die Welt gekommen zu sein. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.