Leserstimme zu
Berlin 1936

Ein großartiges Zeitzeugnis!

Von: Monika Schulte
03.07.2016

Berlin im Jahre 1936. Die Olympiade. Die ganze Welt schaut auf Berlin, auf diese pulsierende Metropole. Als wäre alles wie früher. Früher, in einem Berlin ohne Nazis. Aus den Kneipen und Lokalen dringt der Swing nach draußen. Die "Juden verboten"-Schilder sind verschwunden. Berlin eine Stadt, in der die ganze Welt zu Gast ist. Eine Stadt, ganz offen und herzlich mit jubelnden und fröhlichen Menschen. Von den Massen unbemerkt, vor den Toren Berlins entsteht das KZ Sachsenhausen. "Berlin 1936 - Sechszehn Tage im August" - ein Buch, das mich fasziniert hat, ein Buch, das aus der Masse heraussticht. Der Autor Oliver Hilmes lässt in seinem Buch Menschen zu Wort kommen. Menschen von damals. Besucher der Olympiade, Berliner, Schauspieler, Nazis, Stars, Sportler. Der Leser taucht so ein in ein realistisches Berlin von damals. Menschen und Schauplätze werden lebendig. Als Leser spürt man das prickelnde Leben, den Jubel im Stadion und dann wieder, fast unverhofft, die Angst. Menschen, die zurückgezogen leben. Menschen, die nicht in das Weltbild der Nazis passen.Menschen, die sich unsichtbar machen. Erschreckend und faszinierend zugleich, welche Propaganda-Maschinerie die Nazis in Gang gesetzt haben. Wie konnten so viele Menschen, ja Massen, darauf hereinfallen? Hat man wirklich nicht sehen können, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat oder hat man es nicht sehen wollen? 16 Tage im August. Jeder Tag ein Kapitel. Jedes Kapitel beginnt mit dem Wetterbericht des Reichswetterdienstes für Berlin. Dann die Geschichten der Menschen. Manchmal eine kurze Geschichte, manchmal eine Geschichte, die der Leser durch das gesamte Buch folgt, aber immer eine Geschichte, die fesselt, sei sie auch noch so kurz. Mittendrin immer wieder Auszüge aus den täglichen Anweisungen der Reichspressekonferenz und Fotos. Dem Leser wird schnell klar, wie die Propaganda funktioniert hat. Gänsehaut beim Lesen dieser Anweisungen ist gewiss. Genau so ist es mir mit den kurzen Tagesmeldungen der Staatspolizeistelle Berlins ergangen. "Berlin 1936 - Sechzehn Tage im August" ist mitreißend, spannend, atmosphärisch. Das Buch ist verstörend, es ist großartig.Unbedingt lesen!