Leserstimme zu
Jane Eyre

Jane Eyre - Ein Klassiker modern vermittelt

Von: Ini von Atemlos
06.07.2016

Jane Eyre ist die Geschichte einer Frau, die ihrer Zeit voraus war, geschrieben von einer eben solchen Frau. Teils autobiographisch verarbeitet Charlotte Brontë wichtige Ereignisse in ihrem wahrscheinlich wichtigsten Roman. Mit leidenschaftlicher Stärke tritt Jane für ihre Meinung ein, lässt sich von niemandem unterkriegen oder bevormunden. Unabhängig davon wie viele Steine ihr das Leben auf den Weg legt. Der Klappentext: Der wunderschöne Klassiker in unter 4 Stunden „Ich bin kein Vogel, und kein Netz umgarnt mich, ich bin ein freier Mensch mit einem freien Willen – das werde ich zeigen, indem ich Sie verlasse“, sagt Jane Eyre zu dem Mann, den sie liebt. Christiane Ohaus hat den romantischen Klassiker in ein akustisches Universum verwandelt, mit genialer Leichtigkeit greifen Musik, Geräusche und schauspielerische Gestaltung ineinander. Mit Sascha Icks als Jane Eyre, die sich zwischen ihrer Liebe und ihrer Selbstständigkeit entscheiden muss, mit Christian Redl als mürrisch-liebenswertem Landedelmann und Sylvester Groth als seinem Konkurrenten bleibt auch der kleinste Zwischenton von Charlotte Brontës großem Roman bewahrt. Der Inhalt: Das Leben von Jane Eyre Jane ist ein Waisenkind und wächst nach dem Tod ihrer Eltern bei Verwandten auf. Doch die angeheiratete Tante behandelt Jane alles andere als gut. Immer wieder gerät Jane unfreiwilligerweise in Konfliktsituationen. Auch hilft es nicht, dass Jane häufig Widerworte erteilt, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt. So auch nach einem Streit mit ihrem Cousin. Die Tante, die einzig Jane für die Auseinandersetzung verantwortlich macht, sperrt das Mädchen in das rote Zimmer, in welchem Janes Onkel starb. Jane hat eine blühende Fantasie und glaubt den Geist ihres Onkels gesehen zu haben. Sie schreit und weint bitterlich, dass man sie herauslassen solle. Doch niemand hört ihre Schreie. Jane fällt in Ohnmacht. – Der Apotheker Mr. Lloyd schlägt der Tante vor, Jane auf ein Internat zu schicken. Jane erhofft sich einen Neustart und ein schöneres Leben und ist überglücklich als die Tante einwilligt. Doch auch im Internat wartet alles andere als Glück auf sie. Die Jahre vergehen, mal ist es schlimmer, mal wird es besser. Und als Jane Jahre später eine Stelle als Gouvernante antritt, da hat sie noch keine Vorstellung davon, dass so bald keine Ruhe in ihr Leben einkehren wird. Die Aufmachung: Wunderschönes Design Ich habe selten so ein wunderschönes Design gesehen. Die Farbkombination, die Texturen und Muster. Selbst die Schriftart hinterlässt bei mir positive Gefühle. Ich bin wirklich nicht einfach zu begeistern. Tendenziell würde ich ein schlichtes Cover stets vorziehen, da bei bunten Designs häufig das Risiko besteht, dass es zu schnell überfüllt wirkt. Es ist einfach ansprechend fürs Auge. Ob die Leichtigkeit der Gestaltung zu dem Inhalt passt? Wohl eher nicht. Muss es das? Nein, wieso auch. Von mir gibt’s volle Punktzahl fürs Design. Das Fazit: Da kommen Erinnerungen hoch Ich war 15 Jahre jung als ich das erste Mal diesen Roman in den Händen hielt. Damals war ich im Auslandssemester in den USA und habe mich hauptsächlich aus den Bücherregalen meiner Gastschwestern bedient. Binnen weniger Tage hatte ich das Buch verschlungen. Die verschachtelten Sätze und die Detailverliebtheit bei den Beschreibungen waren es, die mich fesselten. Es war als würde Charlotte Brontë mir die Geschichte aufmalen. Jedes Wort hatte eine Bedeutung für den Rest der Geschichte. Als ich mich Jahre später noch einmal an Jane Eyre wagte, musste ich recht zügig feststellen, dass mir alles zu langatmig war. Ich erwischte mich immer wieder dabei, wie ich ganze Halbsätze und manchmal Paragraphen überspringen musste, um das Buch nicht sofort aus der Hand zu legen. Ich war mir nicht 100-prozentig sicher, ob ich mich an dieses Hörspiel wagen sollte. Ich muss gestehen, dass ich kein riesiger Fan von Hörbüchern bin. Von Hörspielen eigentlich noch weniger. Aber vor allem in den letzten Wochen und Monaten stellte ich immer wieder fest, wie ich vor allem auf dem Weg nach Hause ein Hörbuch hörte. Mit 3 Stunden und 50 Minuten ist dieses Hörspiel wirklich kompakt. Aber ich hatte nie das Gefühl etwas zu vermissen. Die Stimmen waren toll gewählt, die musikalische Untermalung fand ich passend. Ich war wirklich positiv überrascht und überglücklich diesen Roman auf diese Weise noch einmal „gelesen“ zu haben. Ich kann es vor allem jenen empfehlen, die Jane Eyre schon immer einmal lesen wollten, aber nie so richtig den Zugang finden konnten. Jane Eyre von Charlotte Brontë erhält von mir vier von fünf möglichen Herzchen.