Leserstimme zu
Dann denkt mit dem Herzen

Dann denkt mit dem Herzen!

Von: Felise
25.08.2016

"Die Stimme der Unvernunft zu Wort kommen [...] lassen, die Stimme des Herzens, damit diese nicht für immer verloren geht." Konstantin Wecker ist ein Liedermacher, dessen Namen ich schon scheinbar immer kenne. Sei es als Kind durch meine Mutter oder in den letzten ein, zwei Jahren durch seine kritischen Facebookposts, die von Menschen aus meiner Kontaktliste fleißig geteilt und geliket werden: Konstantin Wecker war mir bekannt. Eins jedoch habe ich erst neulich entdeckt: Dass der Sänger auch Autor ist. In dem Buch "Dann denkt mit dem Herzen - Ein Aufschrei in der Debatte um Flüchtlinge" werden Konstantin Weckers Texte, die er vor allem auf Facebook, aber auch auf seiner Webseite veröffentlichte, gesammelt und mit jeweils einer kurzen Einleitung von dem Chefredakteur Roland Rottenfußer präsentiert. Die Texte sind vorwiegend chronologisch geordnet und umspannen den Zeitraum vom Juli 2014 bis Januar 2016. Einige Texte kannte ich bereits, viele waren aber auch mir neu. Die Texte, die mir bekannt waren, hatte ich immer direkt gelesen, wenn sie Konstantin Wecker auf seiner Facebookseite veröffentlicht hatte. Jetzt, fast ein ganzes Jahr später und mit dem Wissen, wie sich die Asylpolitik weiter entwickelt hat, fühlt es sich merkwürdig an, diese Posts erneut zu lesen. Durch das Buch wird einem als Leser aufs Neue bewusst, wie viel gerade in dem Jahr 2015 passiert ist. Konstantin Wecker nimmt Stellung; sei es zu dem Anschlag auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015, PEGIDA oder zu dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau. Die meisten Kommentare beziehen sich aber auf die „Flüchtlingskrise“. So schreibt er in einem seiner neusten Lieder: „Ich hab einen Traum, wir öffnen die Grenzen und lassen alle herein.“ Auf dieses Lied nimmt er auch in seinem Buch Bezug: "Ja, ich werde nicht aufhören, diesen Traum zu träumen [...] bis ihn immer mehr Menschen träumen, bis die EU legale Einreisewege schafft [...] und Menschen, die so unsagbar Schrecklliches erdulden mussten, liebevoll umsorgt." Was mich persönlich an dem Buch "Dann denkt mit dem Herzen - Ein Aufschrei in der Debatte um Flüchtlinge", trotz aller positiver Punkte, sehr gestört hat ist, dass der Liedermacher manchmal in Phrasen abdriftet. Irgendwann meint man verstanden zu haben, dass ihm Emotionen wichtiger erscheinen, als "Vernunft", dass man auf sein Herz hören soll. Dies ist durchaus verständlich, scheint mir jedoch in vielen Situationen nicht zielführend. So ist es zum Beispiel in Diskussionen mit Andersdenkenden viel effektiver, fundiertes Wissen anzubringen anstatt an das "Herz" des Gegenübers zu appellieren. Auch fand ich seinen Vorwurf an den Politikern im Allgemeinen einige Male unangebracht und nicht differenziert genug. Hier hätte ich mir mehr klare Worte und sachlichere Kritik gewünscht. Konstantin Wecker ist ein Komponist und Liedermacher, der sich schon sein Leben lang für Antifaschismus und Pazifismus engagiert. Es ist mutig, dass er Position bezieht in Zeiten in denen viele (insbesondere auch Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen) lieber "positionslos" bleiben.