Leserstimme zu
Dann denkt mit dem Herzen

Wecker pur - Einsatz für mehr Menschlichkeit

Von: Mathematiqua
27.08.2016

Konstantin Wecker ist bekannt für seine tiefgründigen, poetischen Texte, in denen er sich gegen Faschismus, Rassismus und andere politische Misstände einsetzt. Als großer Konstantin Wecker Fan war ich besonders gespannt auf sein Buch "Dann denkt mit dem Herzen". Hierbei handelt es sich um eine Zusammenstellung von kurzen Texten, teilweise von seiner Facebook-Seite, teilweise als kurze Gedankennotizen und Gedichten, die sich mit dem Thema Flüchtlinge befassen. Wer hier eine neutrale politische Erörterung der Flüchtlingsdebatte erwartet, der wird enttäuscht, wie auch bereits der Untertitel "Ein Aufschrei in der Debatte um Flüchtlinge" suggeriert. Das Buch vertritt eine klare Meinung und könnte als Manifest des Gutmenschentums angesehen werden. Es werden auch nicht erst politische Hintergründe erklärt, das aktuelle Zeitgeschehen der letzten drei Jahre wird als bekannt vorausgesetzt. Tatsächlich finde ich, dass man das Buch sehr gut mit Weckers Facebook-Seite vergleichen kann. Hin und wieder gibt es Anmerkungen zu Kommentaren, die er dort gelesen hat, Ideen zu aktuellen Ereignissen oder auch einfach poetische Niederschriften. Ergänzt werden seine Eindrücke hierbei von den Erfahrungen seiner Frau und seines Sohnes, die auf Lesbos aktiv an der "vordersten Front" mit dabei waren. Einerseits finde ich es ausgesprochen gut, dass Konstantin Wecker sich getraut hat, dieses Buch zu veröffentlichen und stimme ihm auch inhaltlich in den meisten Punkten zu. Sprachlich hätte ich mir an der ein oder anderen Stellen aber vielleicht noch etwas mehr von der Poesie erhofft, derer er sich in seinen Liedtexten bedient, und auch die ein oder andere Wiederholung wäre vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen und erweckt einen leicht propagandistischen Eindruck, weswegen ich einen Punkt abziehe. Nichtsdestotrotz ein hervorragendes Buch, das den Menschen hoffentlich wieder einmal ins Gedächtnis ruft, worum es in dieser Diskussion eigentlich geht, nämlich um Menschen und nicht um Gegenstände. Fazit: Sehr zu empfehlen, allerdings werden sogenannte als "Realisten" getarnte Rassisten vermutlich nicht sonderlich viel damit anfangen können und es als Gutmenschen-Geplänkel abtun.