Leserstimme zu
»Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen«

Das muss wohl wahre Liebe gewesen sein

Von: AS
30.08.2016

Es war mir ein Erlebnis dieses Buch zu lesen, denn es gewährt einen einzigartigen Blick sowohl in den künstlerischen Schaffensprozess, als auch in das Privatleben eines der bedeutensten deutschen Maler des 20. Jh. – Franz Marc. Aus all den Aufzeichnungen ist die aufrichtige und unbedingte Liebe Marias zu Franz herauszulesen. Über die Jahre bleib sie eine feste Konstante in seinem Leben; sozusagen sein Fels in der Brandung. Niemand konnte sich besser in sein tiefstes Inneres hineinversetzen als sie. Kein Hindernis war ihr zu groß, kein Weg zu aussichtlos für sie. Die Botschaft dieses Buch ist: Es lohnt sich für die große Liebe zu kämpfen! Als Kunsthistorikerin interessieten mich aber natürlich in erster Linie der in dem Buch ausführlich beschriebene, kreative Entwicklungsprozess der Künstlerfigur Franz Marcs. In seinen Anfängen noch oftmals recht unschlüssig gegenüber seinem eigenen Werk, fühlte er sich oftmals unverstanden von seinen Zeitgenossen und führte eine geraume Zeit ein recht isoliertes Leben, fernab des sogenannten „Mainstreams“. Den entscheidenden Wendepunkt in seiner Karriere brachte seine Begegnung mit August Macke und dessen Vetter Helmuth, sowie dem Sammler Berhard Koehler; in weiterer Folge dann seine Mitgliedschaft in der Neuen Künstler Vereinigung und die Gründung des „Blauen Reiters“ in Kooperation mit Wassily Kandisky. Ab dann lösten sich Schritt für Schritt seine anfangs gehegten Selbstzweifel. Marc wusste sich nun endlich auf künstlerischer Ebene verstanden und entwickelte daraufhin den für ihn so charakteristischen Stil hin zum Expressionismus. Eines seiner bekanntesten Gemälde Blaues Pferd I (1911, Öl auf Leinwand) befindet sich heute der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München. Noch nicht gesehen? Dann unbedingt anschauen! Maria erzählt in berührender Weise von ihrer großen Liebe, ihren Wünschen, ihrer Sehnsucht und auch ihrer zeitweiligen Verzweiflung (Franz war zuweilen immer wieder in Beziehungen mit anderen Frauen verwickelt, ehelichte 1907 Marie Schnür). In ihrem tiefsten Inneren war es ihr jedoch bewusst, dass einzig allein sie seine ideale Partnerin war. Passend zu den einzelnen Lebensstationen wurden erfreulicherweise viele Bilder zu besseren Illustation in den Text eingefügt, was ohne Zweifel, eine große Bereicherung beim Lesen bewirkt. Wer sich für die Kunstszene des 20. Jh. interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen; alle anderen aber auch, denn es legt doch in erster Linie Zeugnis einer wahren, großen Liebe ab, die trotz allen Widrigkeiten des Lebens triumphiert!